Nach Lourdes nun Assisi: Piusbrüder dürfen nicht öffentlich beten
Die traditionalistischen Piusbrüder dürfen nun auch in Assisi nicht öffentlich beten oder Messe feiern. Einer Gruppe der Priesterbruderschaft Sankt Pius X. wurde Anfang September in der Franziskus-Basilika verboten, als Gemeinschaft zu beten, wie die Zeitung "Il Foglio" am Mittwoch berichtet. Der Zutritt wurde ihnen nur in kleinen Gruppen zum privaten Gebet, nicht aber als Gemeinschaft zum öffentlichen Gebet gewährt, wie es hieß.
Kürzlich war den Piusbrüdern bereits im französischen Wallfahrtsort Lourdes untersagt worden, öffentlich als Gruppe zu beten oder die Sakramente zu feiern. Zugleich stehe es jedem frei, die Grotte oder einen anderen Teil des Heiligtums von Lourdes aufzusuchen, um dort privat zu beten, so der Bischof des französischen Bistums Tarbes und Lourdes, Jean-Marc Micas, Mitte August.
Schismatiker müssen draußen bleiben
Laut einer Pressemitteilung des italienischen Distrikts der Piusbrüder wollte eine Gruppe am 6. September ihre Pilgerreise nach Assisi mit dem Gesang des Glaubensbekenntnisses in der Basilika abschließen, in der der heilige Franziskus (um 1182–1226) bestattet ist. Doch den Priestern und Laien wurde der Zutritt verweigert, weil sie als Schismatiker exkommuniziert, also aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossen seien, hieß es zur Begründung. Nach nicht vom Papst genehmigten Bischofsweihen am 1. Juli im schweizerischen Écône hatte der Vatikan ihren Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft verfügt.
Auf den Vorfall in Assisi konterten die Piusbrüder mit dem von Papst Johannes Paul II. initiierten Friedensgebet der Weltreligionen, dessen 40. Jahrestag demnächst begangen wird: "Am 27. Oktober werden Mitglieder und Vertreter aller falschen Glaubensrichtungen, von protestantischen Konfessionen über den Islam und das Judentum bis hin zu östlichen und animistischen Religionen, in den Kirchen der Stadt Assisi öffentlich beten, wie schon 1986", beklagte der Distriktobere Gabriele D'Avino. In Assisi seien offenbar "die entferntesten Heiden der Welt" willkommen, "nur jene nicht, die kompromisslos Kinder der römisch-katholischen Kirche bleiben wollen". (KNA)
