Söding: Ausschluss der Frauen vom Weiheamt nicht aus Bibel ableitbar

Frauen können in der katholischen Kirche bis heute weder Priesterin noch Bischöfin werden. Diese Norm lässt sich jedoch nach Auffassung des Bochumer Bibelwissenschaftlers Thomas Söding nicht aus der Bibel ableiten. Das bis heute dafür vorgebrachte zentrale Argument, Jesus Christus könne in diesen Ämtern nur durch einen Mann repräsentiert werden, nannte Söder am Freitag in München "abgehoben". Diese Position habe "mit dem Bibeltext nichts zu tun".
Das in den jüngeren Briefen des Neuen Testaments beschriebene Leitungsmodell "huldigt dem Zeitgeist, wenn es Frauen ausschließt", sagte Söding. Wenn nach diesen Quellen ein Mann an der Spitze der Ortskirche stehen solle, gehe es nicht um ein für alle Mal gültiges Prinzip, sondern schlicht um Akzeptanz in der damaligen Öffentlichkeit.
Der Theologe äußerte sich bei einer Tagung der Katholischen Akademie in Bayern anlässlich des 30. Jahrestags der Bischofsweihe von Kardinal Reinhard Marx. Bis Samstag wird unter dem Titel "Der synodale Bischof" erörtert, wie das Leitungsamt der Kirche neu gedacht werden könne. Marx war an der Vorbereitung beteiligt und wird auch selbst einen Vortrag halten.
Entwicklungslinien kreativ weiterentwickeln
Söding warb dafür, das katholische Bischofsamt in der Spur der schon in der Bibel auffindbaren Entwicklungslinien kreativ weiterzuentwickeln. Dazu brauche es zu jeder Zeit Strukturreformen, die prinzipiell niemals abgeschlossen werden könnten. Wohl aber leide der Prozess bis heute darunter, "dass die kulturellen Bedingungen damals als normative Begrenzungen heute gesehen werden".
Die Kriterien für einen Bischof, wie sie etwa im Ersten Timotheusbrief im Neuen Testament nachzulesen seien, erfülle heute kein einziger katholischer Amtsträger, sagte der Bibelwissenschaftler. Wörtlich genommen müsste demnach ein Bischof verheiratet sowie "ein guter Vorsteher seines eigenen Hauses, ein Erzieher seiner Kinder zu Gehorsam und Anstand" sein.
Den damals vorherrschenden Patriarchalismus als unveränderliche Lehre auszugeben, hält Söding für falsch. Doch selbst nach den sogenannten Pastoralbriefen sei ein Bischof kein selbstherrlicher Stadtkönig, sondern müsse "als Captain ein Teamplayer" sein: "Er muss sich beraten lassen; er muss Kritik zulassen; er muss von anderen lernen." (KNA)