"Darüber darf man nicht hinwegreden"

Fuldaer Altbischof: Kirche schaute lange zu wenig auf Missbrauchsopfer

Veröffentlicht am 19.09.2026 um 10:08 Uhr – Lesedauer: 

Fulda ‐ Altbischof Heinz Josef Algermissen, denkt spricht beim Missbrauch über die Schuld der Kirche. Man habe zu wenig auf die geschaut, denen Leid zugefügt wurde. Warum er dennoch am Straßennamen Dyba-Allee festhält.

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Missbrauchsfälle belasten den emeritierten Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen auch Jahre später noch. "Das ist eine große Wunde, bis heute. Eine Erkenntnis ist für mich, dass die Kirche lange zu wenig auf die Opfer gesehen hat", sagte der 83-Jährige im Interview der "Fuldaer Zeitung". Algermissen war vor 30 Jahren, am 21. September 1996, zum Bischof geweiht worden. Während seiner Zeit als Bischof von Fulda in den Jahren 2001 bis 2018 wurde eine Reihe von Missbrauchsfällen bekannt.

Nach Algermissens Worten wurde damals in der Regel täterorientiert gehandelt. "Wir haben zu wenig auf diejenigen geschaut, denen Leid zugefügt wurde. Das ist eine Schuld, die die Kirche auf sich geladen hat. Darüber darf man nicht hinwegreden."

Zur Staatsanwaltschaft geschickt

Bei Anschuldigungen, die "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit der Wahrheit entsprachen", habe er Betroffene vor die Wahl gestellt: "Entweder Sie gehen selbst zur Staatsanwaltschaft, oder ich tue es für Sie." Das habe er, so Algermissen, grundsätzlich durchgehalten.

Bild: ©KNA/Volker Hasenauer

Dass die Johannes-Dyba-Allee in Fulda ihren Namen behält, ist für Altbischof Algermissen die richtige Entscheidung.

An die Grenzen gebracht hätten den Altbischof allerdings Vorgänge in Fritzlar rund um das Jahr 2010. Damals habe er fünf Prämonstratenser entlassen müssen. "Bei einem hatte man Abertausende Pornosachen auf dem Computer gefunden." Er sei zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. "Da damals vermutet wurde, dass es mehrere wussten, aber nichts gesagt haben, musste der ganze Konvent ausgewechselt werden", so Algermissen weiter.

Das habe auch das Städtchen Fritzlar gespalten. In bestimmten Phasen habe er wochenlang kaum schlafen können. "Das war eine entsetzliche Zeit. Und manches wirkt bis heute nach."

Entscheidung für Dyba-Allee

Dass die Dyba-Allee in Fulda ihren Namen behält, sei jedoch richtig. Johannes Dyba (1929–2000) war Algermissens Vorgänger im Bischofsamt. Ihm wird vorgeworfen, Hinweisen auf sexualisierte Gewalt und Missbrauch durch Priester nicht nachgegangen zu sein. Anfang September votierten die Stadtverordneten jedoch gegen die Umbenennung der Straße.

Algermissen: "Ich glaube, man tut ihm Unrecht, wenn man sagen würde, er habe unter dem Aspekt, wie man damals mit den Problemen umging, individuell und persönlich Schuld auf sich geladen." Auch könne man den verstorbenen Bischof nicht mehr fragen. (KNA)