Schüller: Bischofsamt muss attraktiver werden

Immer mehr Diözesanbischöfe in Deutschland geben ihr Amt vor Erreichen der Altersgrenze von 75 Jahren ab. Der Kirchenrechtler Thomas Schüller sieht darin ein Alarmzeichen: "Die Gründe sind vielgestaltig und nicht monokausal", schreibt er in einem Beitrag für das Portal "kirche-und-leben.de" am Montag und fordert, dass das Bischofsamt wieder attraktiver werden müsse.
Als Beispiele nennt der Kirchenrechtler Ludwig Schick in Bamberg, Gregor Maria Hanke in Eichstätt, Karl-Heinz Wiesemann in Speyer und Heinrich Timmerevers in Dresden-Meißen, die vorzeitig aus dem Amt geschieden sind. Neben gesundheitlichen Gründen spielten Erschöpfung und die zunehmende Komplexität der Aufgaben eine Rolle, so Schüller weiter. Das Bischofsamt habe für "kluge priesterliche Männer augenscheinlich an Reiz verloren". Ihm zufolge lehne inzwischen rund ein Drittel der designierten Bischöfe eine Ernennung ab.
Amtszeit begrenzen
Als Belastungen nennt Schüller den drastischen Rückgang an Gläubigen, Finanzen wie auch die Aufarbeitung sexualisierter und geistlicher Gewalt. Dazu gehöre auch der Dienst an der Einheit: "Zu sehr leben die diversen katholischen Gruppen in ihren eigenen Blasen und gerieren sich als alleinseligmachendes Maß aller katholischen Unfehlbarkeit."
Deshalb plädiert der Kirchenrechtler für eine Begrenzung der Amtszeit: "Josef Ratzinger hat mit seinen Tübinger Kollegen schon Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts gefordert, die Amtszeit der Diözesanbischöfe auf acht Jahre zu begrenzen mit der einmaligen Chance zur Wiederwahl." Zugleich müsse man das Bischofsamt theologisch und kirchenrechtlich "von nicht notwendigen Entscheidungsbefugnissen entrümpeln". Stattdessen sollten Verkündigung, der Dienst an den Armen und an der Einheit der Diözese stehen. "Mehr braucht es nicht und ist anspruchsvoll genug", so Schüller. (mtr)