Kritik an Laienpredigt-Verbot

Knop: Kirche als Ständegesellschaft anachronistisch und unbiblisch

Veröffentlicht am 22.09.2026 um 10:40 Uhr – Lesedauer: 

Erfurt ‐ Macht- und Geschlechterfragen sind in der katholischen Kirche eng miteinander verknüpft, kritisiert die Dogmatikerin Julia Knop. Das habe auch Auswirkungen auf die Liturgie.

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Die Erfurter Dogmatikerin Julia Knop hat einen Paradigmenwechsel in der Kirche gefordert, um Klerikalismus zu überwinden. "Er ist tief in Normen und Verhalten eingeschrieben – nicht nur bei Kirchenmännern, auch bei Gläubigen. Das macht es so schwer, ihn zu überwinden", sagte Knop in einem Interview mit "kath.ch" (Montag). Dass sich die katholische Kirche als Ständegesellschaft organisiere, sei "gesellschaftstheoretisch völlig anachronistisch" sowie unbiblisch. "Nach Galater 3,28 sollen Hierarchien, die in der Gesellschaft herrschen – zwischen Juden und Griechen, Sklaven und Freien, Männern und Frauen, und man könnte ergänzen: zwischen Klerikern und Laiinnen und Laien – unter Christgläubigen keine Bedeutung mehr haben."

In der Rückbesinnung auf das eigene biblische Fundament erkennt Knop eine Chance, Klerikalismus zu überwinden. "Das Zweite Vatikanische Konzil hatte bereits wichtige Schritte in diese Richtung unternommen, vor allem durch die Würdigung des gemeinsamen Priestertums aller Getauften und ein verändertes Amtsverständnis", sagte die Theologin. "Dieser Paradigmenwechsel ist aber nach dem Konzil nicht wirklich aufgegriffen und gelebt worden. Die alten Muster wirkten weiter."

Stand entscheidet über den Sitzplatz

Auch die geltenden liturgischen Vorgaben reproduzierten ein bestimmtes Amtsverständnis. Dies werde etwa an den Sitzplätzen deutlich: "Nicht die Rolle, sondern der Stand entscheidet, wo man in der Kirche sitzt", kritisierte Knop. "Wenn eine Frau den Gottesdienst leitet – einen Wortgottesdienst, eine Taufe, eine Segensfeier –, darf sie auf keinen Fall auf dem 'Priestersitz' Platz nehmen." Klar geregelt sei auch, wer welches Gebet mitsprechen dürfe. "Es gilt als schwerer 'Missbrauch der Liturgie', wenn dieses Rollengefüge missachtet und praktisch ein anderes Rollenverständnis als das offizielle gelebt wird."

Es gebe zwar viele unterschiedliche Gottesdienstformen, von denen einige auch ohne Priester auskämen. "Aber je wichtiger eine Liturgie für die Kirche ist, desto stärker bindet sie deren Leitung an das ordinierte Amt", so die Dogmatikerin. "Das Problem ist nicht, dass Leitung an Qualifikation und Auftrag gebunden wird. Das Problem ist, dass Leitung an die Weihe gebunden wird und diese nicht allen zugänglich ist."

Knop kritisierte im Interview auch das vatikanische Laienpredigt-Verbot in Eucharistiefeiern: "Es fällt schwer, das nicht 'Diskriminierung' zu nennen." Frauen hätten damit offiziell nichts zu sagen. Eine veränderte Praxis breche schon jetzt das überkommene Amtsverständnis auf. "Die aktuellen Konflikte zeigen, dass es Veränderungsbedarf gibt." (cbr)