Kirchen wollen Stärkung der Organspende ohne Widerspruchslösung

Die beiden großen Kirchen in Deutschland sprechen sich dafür aus, Menschen regelmäßig etwa in Ämtern abzufragen, ob sie ihre Organe spenden wollen. So soll die Zahl der Spenderorgane erhöht werden, wie die beiden Kirchen am Dienstag in einer gemeinsamen Presseerklärung mitteilten.
Der Bundestag debattiert am Donnerstag über die Organspende. Die Kirchen unterstützen mit ihrer Position einen Antrag einer Abgeordnetengruppe um Michael Brand (CDU), Lars Castellucci (SPD) und andere. Deren Antrag sieht vor, mehr Menschen zu einer persönlichen und bewussten Entscheidung über die Organspende zu bewegen. Einen zweiten überfraktionellen Entwurf, der eine sogenannte Widerspruchsregelung vorsieht, lehnen sie ab. Die Widerspruchsregelung bedeutet, dass jeder Bürger ein potenzieller Organspender wäre – außer, er hat ausdrücklich widersprochen. Bislang schreibt das Transplantationsgesetz vor, dass nur derjenige ein potenzieller Organspender ist, der zuvor einer Spende ausdrücklich zugestimmt hat. Falls keine eindeutige Dokumentation des Willens vorliegt, können auch Angehörige im Sinne des möglichen Spenders entscheiden.
Ausdruck von Nächstenliebe und Solidarität
Die Kirchen sehen nach eigenen Worten in der Organspende einen Ausdruck von Nächstenliebe und Solidarität. Angesichts des Mangels an Spenderorganen müssten aber mehr Menschen zu einer solchen Bereitschaft bewogen werden. Dies könne möglich sein, wenn Menschen regelmäßig dazu befragt würden, etwa wenn sie in Bürgerämtern ihren Ausweis verlängerten. Eine gewählte Option für oder gegen die Organ- und Gewebespende solle unmittelbar vor Ort, geschützt und identitätsgesichert im digitalen Organspende-Register dokumentiert werden.
Die verbindliche Abfrage und die freie Entscheidung gehören aus Sicht der Kirchen zusammen; eine Widerspruchsregelung bilde dies nicht ab. Sie mache grundsätzlich alle Personen zu Spendern, die zu Lebzeiten keinen Widerspruch erklärt haben. Für die Kirchen bleibe aber entscheidend, dass die individuelle Zustimmung tatsächlich vorliege. Es sei ein guter Vorschlag, wenn die Menschen verlässlich und direkt angesprochen würden und ihnen die Entscheidung und ihre Dokumentation so einfach wie möglich gemacht werde, so die Leiterin des Evangelischen Büros, Anne Gidion. Der Leiter des Katholischen Büros, Karl Jüsten, betonte, der Antrag biete einen guten Weg, um mehr Klarheit über den tatsächlichen Willen der Menschen zu bekommen und die Spenderrate zu erhöhen. (KNA)