Caritas-Präsidentin im katholisch.de-Interview

Welskop-Deffaa: Wir sind längst zum Lieblingsfeind der AfD geworden

Veröffentlicht am 25.09.2026 um 00:01 Uhr – Von Steffen Zimmermann – Lesedauer: 

Berlin ‐ Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa sorgt sich nach den jüngsten Landtagswahlen um Demokratie und Zusammenhalt. Im Interview warnt sie vor einer möglichen AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt und fordert klare Haltung.

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Die jüngsten Wahlerfolge der AfD bei den Landtagswahlen in Ostdeutschland bereiten Eva Welskop-Deffaa große Sorgen. Die Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes warnt im Interview mit katholisch.de vor gravierenden Folgen für den gesellschaftlichen Frieden und die Wohlfahrtsarbeit. Zugleich sieht sie Kirche und Caritas in der Pflicht, den Menschen Mut zu machen und Begegnungsräume zu schaffen.

Frage: Frau Welskop-Deffaa, die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin wurden im Vorfeld auch zu einem Stimmungstest über den Zustand der Demokratie erklärt. Wie blicken Sie vor diesem Hintergrund auf die Ergebnisse der Wahlen?

Welskop-Deffaa: Ich bin erschüttert, dass ein so großer Anteil der Bevölkerung mit den Vorstellungen der AfD übereinstimmt. Die Wahlanalysen zeigen, dass sich in der Wahl der AfD nicht mehr nur Protest ausdrückt, sondern immer mehr Menschen die Partei gerade wegen ihres Programms wählen. Das bedrückt uns als Caritas natürlich sehr. Wenn man die Programme der AfD im Bund und in den Ländern liest, findet man vieles, was sprachlich und inhaltlich offen menschenverachtend daherkommt und dazu angetan ist, die Lebensperspektiven "vulnerabler Gruppen" – etwa von Menschen mit Behinderung oder mit Fluchtgeschichte – deutlich zu verschlechtern.

Frage: Die politischen Ränder sind bei den drei Wahlen erneut stärker geworden, während die demokratische Mitte weiter an Zustimmung verloren hat. Auch die jeweiligen Wahlsieger waren Parteien der Ränder: In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern lag die AfD vorn, in Berlin die Linke. Gehen Deutschland langsam die Demokraten aus?

Welskop-Deffaa: Mit dieser Frage tue ich mich schwer, denn ich sehe doch einen großen Unterschied zwischen der Linken und der AfD. Dass Elif Eralp als Spitzenkandidatin der Linken in Berlin so viel Unterstützung gewonnen hat, empfinde ich persönlich als Überraschung. Sie ist eine türkischstämmige, feministische Politikerin, die sich vernehmlich gegen Diskriminierung eingesetzt und Netzwerke gegen Rassismus gegründet hat. Angesichts der ständigen Verhetzung von Migranten und Migrantinnen durch die Rechtspopulisten und deren Vorliebe, sich über Geschlechtergleichstellung lächerlich zu machen, hätte ich es nicht mehr für möglich gehalten, dass eine Frau mit einem solchen Profil in Deutschland eine Landtagswahl gewinnen kann. Mit dieser Einschätzung will ich nicht infrage stellen, dass es bei der Linken in Berlin ein beachtliches Antisemitismus-Problem gibt. Die Parteien der demokratischen Mitte sollten den Wahlerfolg der Linken näher analysieren. Man hatte in den vergangenen Jahren mitunter den Eindruck, dass Politiker immer öfter ihren Erfolg in der Imitation der AfD suchten und Parteien drohten zu einer Art "AfD light" zu werden. Die Berliner Wahl bestätigt in meinen Augen alle, die mit uns gemeinsam davor gewarnt haben, dass das nicht der richtige Weg ist.

Frage: Können Sie bereits absehen, welche Konsequenzen die Wahlergebnisse in den drei Bundesländern für die Arbeit der Caritas vor Ort haben werden?

Welskop-Deffaa: In Berlin und Mecklenburg-Vorpommern sehe ich vorläufig keine substanziellen Veränderungen. Vielleicht könnten die Erwartungen der Wohlfahrtsverbände an eine sichere Finanzierung ihrer Angebote – je nachdem, wie die Regierungsbildungen in beiden Ländern ausgehen – in einigen Arbeitsbereichen sogar leichter durchzusetzen sein als bisher. Ganz anders ist die Lage in Sachsen-Anhalt. Wir wissen noch nicht, ob die AfD tatsächlich eine Regierung bilden kann. Wir machen uns aber große Sorgen – nicht zuletzt, weil die AfD in Sachsen-Anhalt besonders kirchen- und wohlfahrtsfeindlich ist. Sie betrachtet gerade die christlichen Wohlfahrtsverbände als ein rotes Tuch, weil unsere Werte vielem klar widersprechen, was sie propagiert. Sollte die Partei tatsächlich eine Regierung bilden können, könnte sich das schnell in konkreten Erschwernissen für unsere Arbeit niederschlagen.

„Viele Menschen haben offenbar angesichts der komplexen Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind, die Zuversicht verloren, selbst etwas zur Lösung beitragen zu können.“

—  Zitat: Eva Welskop-Deffaa

Frage: Was wäre bei einer AfD-geführten Regierung in Sachsen-Anhalt Ihre größte Sorge?

Welskop-Deffaa: Dass die eingespielten Prozesse des Gesprächs und der Zusammenarbeit zwischen Regierung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft schnell ins Stocken geraten. Das könnte die ohnehin schwierige wirtschaftliche Lage Sachsen-Anhalts weiter verschärfen. Wenn Menschen das Land verlassen, weil sie angesichts einer AfD-Regierung nicht mehr dort arbeiten möchten, und Betriebe ihre Investitionen zurückhalten oder verlagern, wäre das fatal.

Frage: Was sagen die starken Wahlergebnisse der AfD ganz grundsätzlich über die Stimmung in der Bevölkerung aus?

Welskop-Deffaa: Ich glaube, dass sich in Deutschland in den vergangenen Jahren eine Haltung verbreitet hat, nach der der Staat für alle Probleme verantwortlich gemacht wird und diese lösen soll. Viele Menschen haben offenbar angesichts der komplexen Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert sind, die Zuversicht verloren, selbst etwas zur Lösung beitragen zu können. Wenn jedoch die Verantwortung für so vieles vollständig auf den Staat projiziert wird, kann er diesen Erwartungen zwangsläufig nicht genügen. Als Caritas versuchen wir, Menschen darin zu bestärken, dass jede und jeder selbst etwas beizutragen hat – für das eigene Leben und für die Gesellschaft. Wir können und müssen den verbreiteten Ohnmachtsgefühlen etwas entgegensetzen und den Menschen Mut machen. Ich finde gerade deshalb auch die Enzyklika "Magnifica humanitas" von Papst Leo XIV. eine wunderbare und wichtige Lektüre: Sie macht deutlich, dass und wie unser Handeln einen Unterschied macht und jeder von uns im Alltag etwas für sein Umfeld bewirken kann. Ich hoffe, dass sich damit die Staatsfixierung und die damit verbundene Enttäuschung überwinden lassen.

Frage: Die katholische Kirche hat sich deutlich von der AfD abgegrenzt, vor allem die Erklärung der Bischöfe von 2024 hat viel Aufmerksamkeit erregt. Wenn man allerdings auf die Wahlergebnisse der AfD blickt, muss man konstatieren, dass die kirchliche Positionierung weitgehend wirkungslos war. War sie vielleicht sogar ein Fehler?

Welskop-Deffaa: Nein. Und ich würde auch Ihrer Einschätzung widersprechen, dass die kirchliche Positionierung wirkungslos gewesen sei. Die Unterschiede im Wahlverhalten von Christen und der Gesamtbevölkerung in Sachsen-Anhalt waren alles andere als marginal. Ein Beispiel: Während die AfD unter allen Wählern 43,8 Prozent erreicht hat, waren es unter katholischen Frauen nur 26 Prozent – das ist ein enormer Unterschied, der umso bemerkenswerter ist, als die AfD auch in Sachsen-Anhalt versucht hat, die Kirche zu spalten und zwischen einer "Kirchensteuerkirche" und "wahren Christen" zu unterscheiden. Ich finde es beeindruckend, wie es insbesondere Magdeburgs Bischof Gerhard Feige gelungen ist, Menschen um sich zu sammeln und deutlich zu machen: Wir haben eine gemeinsame Verantwortung, die Menschenwürde zu verteidigen. Auch, dass katholische und evangelische Christen gemeinsam aufgetreten sind und sich nicht haben auseinanderdividieren lassen, war ein starkes Signal. Dafür kann man den Beteiligten vor Ort nur danken – für ihre Standfestigkeit und dafür, dass sie sich nicht haben einschüchtern oder spalten lassen.

Ein AfD-Plakat vor einer Kirche
Bild: ©picture alliance/dpa-Zentralbild/Sascha Steinach (Archivbild)

"Gerade wenn es um menschenfeindliche Positionen geht – und solche gibt es bei der AfD zuhauf –, dürfen wir als Kirche nicht schweigen", so Welskop-Deffaa.

Frage: Trotzdem war aus dem Raum der Kirche zuletzt durchaus Selbstkritik zu hören: Man habe sich mit Blick auf die AfD zu stark parteipolitisch positioniert und dadurch Dialogmöglichkeiten mit Sympathisanten und Wählern der Partei zerstört. Braucht es im Umgang mit der AfD eine Kursänderung der Kirche?

Welskop-Deffaa: Gerade wenn es um menschenfeindliche Positionen geht – und solche gibt es bei der AfD zuhauf –, dürfen wir als Kirche nicht schweigen. Im Gegenteil: Wir müssen besonders klar sein und kompromisslos für Menschenwürde und Nächstenliebe die Stimme erheben – ohne dabei jedoch andere Menschen niederzuschreien oder abzuwerten. Ich denke, dass das in Sachsen-Anhalt gelungen ist. Wir haben unsere Grundhaltung als Kirche so vorgetragen, dass sie auch Menschen zum Nachdenken gebracht hat, die für AfD-Positionen bereits gewonnen waren.

Frage: Dennoch muss man feststellen, dass es am Dialog hapert. Was denken Sie: Wie können Kirche und Caritas insbesondere in Ostdeutschland wieder stärker mit Menschen ins Gespräch kommen, die sich von den demokratischen Parteien oder sogar der Demokratie insgesamt abgewandt haben?

Welskop-Deffaa: Für die Caritas ist das nicht immer leicht. Wir sind längst zum Lieblingsfeind der AfD geworden. Unsere Migrationsarbeit etwa wird seit Jahren von den Rechtspopulisten mit dem Begriff "Asylindustrie" diskreditiert. Insofern sind wir für viele nicht die, denen man zuallererst zutraut, Brücken zu bauen. Wir müssen uns darauf einstellen, dass Menschen, mit denen wir sprechen, uns persönlich angreifen. Das ist eine schwierige Situation, auf die wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorbereiten müssen. Gleichzeitig wollen wir mit unserer Arbeit weiter Zeugnis geben: dafür, dass alle mehr haben, wenn jeder teilt, und dass es uns gemeinsam besser geht, wenn wir positiv auf den Nächsten zugehen.

Frage: Was erleben Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort? Gibt es angesichts der politischen Entwicklung auch Zweifel am pro-demokratischen Kurs der Caritas?

Welskop-Deffaa: Ich bin selbst viel unterwegs. In Magdeburg war ich zum Beispiel im vergangenen Jahr zum Caritas-Sonntag und habe intensiv das Gespräch gesucht. Ich war beeindruckt vom Engagement und vom Ehrgeiz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, auch bei strittigen Themen glaubwürdig für die eigene Haltung einzutreten. Die Caritas in Magdeburg hat sich etwa sehr ambitionierte Klimaziele gesetzt: Wenn und weil der Klimawandel menschengemacht ist, hängt es an uns, durch entsprechende Maßnahmen gegenzusteuern. Für eine solche Position muss man sich im AfD-Umfeld schwere Vorwürfe gefallen lassen. Natürlich gibt es Kolleginnen und Kollegen, die angesichts der politischen Veränderungen erschöpft sind und Angst um ihren Arbeitsplatz haben. Es wäre realitätsblind, das zu leugnen. Wenn eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt die Finanzierung der Wohlfahrtsverbände einfrieren oder dramatisch reduzieren würde, könnte das schnell die Beschäftigten selbst treffen.

„Wir wissen aus der Geschichte der DDR, dass Orte der Kirche und der Caritas Orte des Widerstands waren. Je stärker sich politische Machtverhältnisse einer autokratischen Regierungsform annähern, desto notwendiger wird es sein, solche Orte zu schaffen.“

—  Zitat: Eva Welskop-Deffaa

Frage: Die AfD gilt gerade im ländlichen Raum als Kümmerin, also als Partei, die sich der Sorgen und Nöte der Menschen annimmt. Können Kirche und Caritas dieser Erzählung etwas entgegensetzen?

Welskop-Deffaa: Ob Kirche und Caritas das allein durch ihr Handeln können, weiß ich nicht. Das hängt auch von den Finanzierungsbedingungen ab. Aber wir müssen gemeinsam mit Verbündeten die Lebensverhältnisse gerade im ländlichen Raum davor schützen, dass Menschen sich dort gottverlassen fühlen. Das ist eines unserer zentralen Themen. Mobilitätspolitik ist Teilhabepolitik. Es geht darum, dass Kindergarten, Sportverein oder Schuldnerberatung erreichbar sind. Wenn Menschen mit Einschränkungen nach Ausdünnung des Busverkehrs nicht mehr in die nächste größere Gemeinde kommen, wo ihr Arzt oder ihre Apotheke sind, fühlen sie sich zu Recht abgehängt. Deshalb bedrückt mich, wie stark gerade die Verkehrsinfrastruktur durch Kürzungen gefährdet ist. Das kann das Gefühl des Abgehängtseins weiter verschärfen.

Frage: Kann die Nähe der Caritas vor Ort helfen, den Menschen wieder stärker zu zeigen, dass sie gehört werden?

Welskop-Deffaa: Ich bin jedenfalls fest davon überzeugt, dass wir die alltägliche Lebenserfahrung der Menschen so verändern können, dass sie Zuversicht und Zuwendung, aber auch Selbstwirksamkeit erfahren und weniger Einsamkeit erleben. Das kann und muss die Arbeit der Caritas leisten. Deshalb dürfen wir uns nicht zurückziehen, sondern müssen weiter in der Fläche präsent sein. Wir können als Wohlfahrtsverband elementar wichtige Vorfeldarbeit leisten. Wenn aber die politischen Parteien Vertrauen verspielen – mehr ankündigen, als sie halten können – und nicht selbst auf die Menschen zugehen, kann die Caritas nicht stellvertretend für sie den politischen Diskurs führen.

Frage: Könnten Caritas-Einrichtungen im Falle einer zunehmend autoritären oder ausgrenzenden Politik etwa durch eine AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt zu Orten des demokratischen Widerstands werden?

Welskop-Deffaa: Zunächst müssen sich Caritas-Orte als sogenannte "Dritte Orte" bewähren, also als Orte der Begegnung. Daran arbeiten wir intensiv. Unser von der Stiftung Mercator gefördertes Projekt "Sozialraum Bahnhof" nutzt beispielsweise öffentlich zugängliche Orte im Bahnhofsbereich für Begegnungen und zum Abbau von Vorurteilen. Das wird wichtiger, weil traditionelle Begegnungsorte wie der Bäcker oder der Metzger immer mehr verschwinden. Ich hoffe, dass das, was Sie unter dem Stichwort "demokratischer Widerstand" ansprechen, nicht nötig werden wird. Aber wir wissen aus der Geschichte der DDR, dass Orte der Kirche und der Caritas Orte des Widerstands waren. Je stärker sich politische Machtverhältnisse einer autokratischen Regierungsform annähern, desto notwendiger wird es sein, solche Orte zu schaffen. Ich wünsche mir das nicht. Aber dass ich uns als Caritas aus der Erfahrung zutraue, ein solcher Ort zu sein, hat für mich auch etwas Tröstliches und spendet Hoffnung.

Bild: ©picture alliance/dpa | Michael Kappeler (Archivbild)

"Ich glaube, dass die Bundesregierung sehr genau beobachtet, was passiert. Was mich allerdings beunruhigt, ist die Angstbesetztheit, die aus manchen Entscheidungen spricht", so Welskop-Deffaa über die Bundesregierung.

Frage: Was ist Ihr Eindruck: Hat die Bundesregierung angesichts der Wahlergebnisse die tatsächlichen Probleme verstanden?

Welskop-Deffaa: Ich glaube, dass die Bundesregierung sehr genau beobachtet, was passiert. Was mich allerdings beunruhigt, ist die Angstbesetztheit, die aus manchen Entscheidungen spricht. Über die Tankrabatt-Entscheidung kurz vor den Wahlen am Sonntag habe ich mich – um es vorsichtig auszudrücken – sehr gewundert. Wie kann man glauben, auf diese Weise 24 Stunden vor Öffnung der Wahllokale noch die Stimmung zu ändern? Und wie kann man erwarten, dass Menschen darauf vertrauen, dass politische Entscheidungen von Sachargumenten bestimmt werden, wenn hier eine Maßnahme so offensichtlich taktisch auf einen Wahltermin bezogen ist?

Frage: Zumal von einem Tankrabatt laut Experten ja vor allem Besserverdienende profitieren ...

Welskop-Deffaa: Genau. Potenzielle AfD-Wähler in Berlin, gerade im unteren Einkommensbereich, haben bei steigenden Energiepreisen vor allem Angst vor dem Winter und davor, ihre Wohnung nicht mehr heizen zu können. Ein Tankrabatt nützt diesen Menschen nichts, weil die meisten von ihnen gar kein Auto besitzen und auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind. Hektische Einzelmaßnahmen, die zudem nicht zu früheren Ankündigungen passen, können kein Vertrauen in die Politik schaffen. Wenn Bürger den Eindruck haben, die Handelnden hätten vor allem Angst um ihre eigene politische Zukunft, entsteht keine Zuversicht.

Frage: Glauben Sie, dass die aktuelle Bundesregierung noch die Kurve kriegt?

Welskop-Deffaa: Ich würde es mir wünschen. Es heißt ja, der Bundeskanzler habe die Enzyklika des Papstes mit in seinen Sommerurlaub genommen. Ich finde das Schreiben Leos XIV. wirklich sehr ermutigend und zugewandt. Sich seiner erinnernd könnte der Kanzler die nötige Ruhe und Kraft finden, um das Regierungsschiff gut zu steuern. Die Bundesrepublik muss derzeit viele Unsicherheiten aushalten: Wir haben Bedrohungen aus Russland und auch Risiken, die von den Tech-Milliardären und der ungebremsten Entwicklung Künstlicher Intelligenz ausgehen. In dieser Phase brauchen wir eine handlungsfähige Bundesregierung, die dem Spaltungsgift ringsherum Dialogbereitschaft, Klugheit und Liebe zu den Menschen entgegensetzt.

Von Steffen Zimmermann