Im Schnitt fünf Jahre mehr

Wissenschaftler: Deshalb leben Mönche länger

Veröffentlicht am 23.09.2026 um 16:30 Uhr – Lesedauer: 

Wien ‐ Der Demograph Marc Luy hat die Lebensdauer von Ordensleuten untersucht. Er hat drei Gründe gefunden, warum Menschen im Kloster länger leben als weltliche Menschen.

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Mönche leben im Schnitt fünf Jahre länger als weltliche Männer – das liegt auch an ihrem Glauben.  Das hat Bevölkerungswissenschaftler Marc Luy herausgefunden. Im Interview mit "Christ und Welt" (aktuelle Ausgabe) sagt er: "Die drei wesentlichen Bausteine sind das Leben in der Gemeinschaft, der strukturierte Tagesablauf sowie eine klare spirituelle Aufgabe, die ihnen einen Sinn im Leben gibt." In der Gemeinschaft achteten Ordensleute aufeinander. "Es fällt auf, wenn jemand psychische oder körperliche Probleme hat. Bei medizinischen Notfällen ruft man den Arzt." Außerdem ernährten sich Menschen in Gemeinschaft besser und führten ein geregelteres Leben.

Der Glaube hilft indirekt beim Altwerden

Ordensleute hätten zusätzlich einen stark geregelten Tagesablauf. "Wir konnten messen, dass Ordensleute ein niedrigeres Stresslevel als Menschen aus der Allgemeinbevölkerung haben", so der Demograph. Die Mönche seien im Gespräch davon überzeugt gewesen, dass das am geregelten Tagesablauf liege. "Viele Mönche haben mir gesagt, dass sie das stressige Leben außerhalb des Klosters nicht mehr ertragen würden."

"Auch der Glaube kann indirekt helfen", so Luy weiter: Er könne allen Gläubigen Stabilität und Sicherheit geben, in der Beichte könnten Sorgen abgeladen werden. "Bei Ordensleuten kommt eine klare mit dem Glauben verbundene Aufgabe hinzu: Sie dienen Menschen und vermitteln die Botschaft Gottes. Das ist ein Lebenszweck, der vielen weltlichen Menschen fehlt."

Vor zwei Jahren hatte eine Studie festgestellt, dass Mönche im Schnitt fünf Jahre länger leben als weltliche Männer. Luy bestätigte jetzt auch, dass das nicht daran liege, dass Mönche weniger gefährlich leben. Weder bei Verkehrsunfällen noch bei Arbeitsunfällen gab es Hinweise auf Unterschiede zwischen Ordensmännern und weltlichen Männern. Auch, dass bestimmte Persönlichkeiten, die länger leben, häufiger ins Kloster gingen, konnten die Forscher nicht feststellen.

Männer leben im Kloster fast gleich lang wie Frauen

Insgesamt lebten Frauen in Klöstern im Schnitt nur ungefähr ein Jahr länger als Männer. In weltlicher Umgebung liegt der Unterschied bei knapp fünf Jahren. "Das war eine der zentralen Erkenntnisse", sagte Luy. "Denn damit spricht vieles dafür, dass die unterschiedliche Lebenserwartung von Männern und Frauen vor allem auf nichtbiologische Faktoren zurückzuführen ist." Die Natur spiele eine untergeordnete Rolle. Entscheidend sei, dass Männer im Durchschnitt ungesünder lebten. Sie ernährten sich schlechter, tränken und rauchten mehr.

Luy forscht seit fast 30 Jahren zur Lebenserwartung von Klosterbewohnern. Für die Schlussfolgerungen wurden Daten von 16.000 Mitgliedern aus 16 deutschen und österreichischen Ordensgemeinschaften ausgewertet. (chd)