KI-Kardinal Czerny nutzt selbst keine Künstliche Intelligenz
Der Vorsitzende der KI-Kommission des Vatikans hat nach eigenen Angaben noch nie Künstliche Intelligenz genutzt. Er habe keine grundsätzlichen Vorbehalte und sei gerne bereit zu lernen, sagte Kardinal Michael Czerny am Freitag im Podcast "Brussels Playbook". "Ich hatte einfach keine Zeit", so seine Begründung mit Verweis auf sein bisheriges Amt.
Bis vor einem Monat leitete Czerny die vatikanische Entwicklungsbehörde. Im Mai wurde er zusätzlich zum Koordinator der Kommission für Künstliche Intelligenz. In dieser Rolle sieht sich der Achtzigjährige nach eigenen Angaben nun in der moralischen Pflicht, KI zu nutzen, um Erfahrungen damit zu sammeln. Diese Kommission soll den Informationsaustausch zu KI innerhalb und außerhalb des Vatikans fördern.
"Wir sind nicht festgefahren"
Im Mai veröffentlichte Papst Leo XIV. seine erste Enzyklika mit dem Titel "Magnifica humanitas – Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz". Czerny sieht es als Verantwortung des Papstes gegenüber Gott sowie allen Menschen, auf die Risiken von KI hinzuweisen. Vorwürfe, der Vatikan sei ewiggestrig, wies er von sich. "Wir sind nicht festgefahren. Wir erheben unsere Stimme für die überwiegende Mehrheit der Menschen, die wenig oder kein Mitspracherecht zur Entwicklung oder Nutzung von KI haben, die aber die Folgen davon zu tragen haben werden oder bereits tragen."
Beispielsweise gebe es "schreckliche Ausbeutung im Bergbau, um die notwendigen Rohstoffe zu gewinnen", sagte der kanadische Kurienkardinal mit tschechischen Wurzeln. Außerdem hätten viele Menschen das Gefühl, Soziale Medien und andere Anwendungen bedrohten das soziale Gefüge, indem "die digitale Welt gewissermaßen in die menschliche Welt eindringt".
Czerny ermutigte die Menschen dazu, Druck auf ihre Politiker und die Industrie auszuüben, angemessene und effektive Leitplanken einzurichten. Jeder Bürger habe dazu eine politische Verantwortung. Die Regulierung selbst sei dann Aufgabe der Regierungen. An die Bischöfe und andere Verantwortungsträger in der Kirche gerichtet äußerte er den Wunsch, die Diskussionen um KI aktiv voranzutreiben. (KNA)
Abkommen gegen bestimmte Waffen?
Mit Blick auf den Einsatz Künstlicher Intelligenz bei Waffen sagte Czerny: "Wir dürfen unsere Verantwortung in Bezug auf Kriegsführung und auf Leben und Tod nicht Maschinen überlassen". Es dürfe keine Situationen geben, in denen die Maschine entscheidet. Dies stehe vielleicht entgegengesetzt zur aktuell laufenden technologischen Entwicklung, aber das dürfe nicht als Entschuldigung dienen, so Czerny. Der Kardinal hofft nach eigener Aussage auf internationale Abkommen, um den Einsatz von Technologien mit massiver Zerstörungskraft einzuschränken und einzudämmen, ähnlich weltweiter Abkommen gegen Atomwaffen. (KNA)
