Auf dem Weg zur Seligsprechung

Der katholische Spencer in Prinzessin Dianas Stammbaum

Veröffentlicht am 27.09.2026 um 12:15 Uhr – Von Christiane Laudage (KNA) – Lesedauer: 

Bonn ‐ Am Dienstag erschien Charles Spencers Biografie über seine Schwester Diana. Charles und Diana Spencer haben einen höchst ungewöhnlichen Vorfahren: George. Er konvertierte zum Katholizismus und trat in einen Orden ein.

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Alle berühmten Sippen dieser Welt haben ihre ungewöhnlichen Sprosse – auch die hochadlige britische Familie Spencer. In ihrem Fall ist es George Spencer (1799–1864), der Ur-Ur-Ur-Großonkel der verstorbenen Diana, Prinzessin von Wales. Er tat, was zu seiner Zeit höchst ungewöhnlich war: Er trat zum katholischen Glauben über, wurde Priester und später Mitglied des Passionisten-Ordens.

Seit 1992 läuft in der britischen Erzdiözese Liverpool ein Seligsprechungsverfahren für Spencer. Am 20. Februar 2021 hat ihn Papst Franziskus als ehrwürdigen Diener Gottes anerkannt. Es steht aber offenbar noch ein Wunder aus, das George Spencer der Seligsprechung einen entscheidenden Schritt weiterbringen würde.

Klassische Laufbahn eines jüngeren Sohnes

Die Geschichte seines Lebens führt zurück in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts. George Spencer, geboren am 21. Dezember 1799 in London, war der dritte und jüngste Sohn des zweiten Earl Spencer. Er wuchs auf dem Familiensitz Althorp (siehe Titelbild) auf, besuchte Eton und studierte am Trinity College in Cambridge. Seine Familie hatte für ihn eine geistliche Laufbahn in der anglikanischen Church of England vorgesehen – wie es damals für jüngere Söhne üblich war. 

Spencer folgte diesen Vorgaben zunächst. Doch bald kamen ihm Zweifel. Sein Konversionserlebnis fand nach Angaben des Historikers John Pearson ausgerechnet in der Pariser Oper statt: Bei einer Aufführung von Mozarts "Don Giovanni" wurde er von der Szene der Höllenfahrt des Titelhelden tief erschüttert und mit der Vorstellung seiner eigenen Verdammnis konfrontiert. Es war ein Schritt auf dem Weg nach Rom. Zunächst wurde er jedoch Priester der anglikanischen Kirche und kümmerte sich intensiv um seine Gemeinde.

Anglikanische Bischöfe im Vatikan
Bild: ©KNA/CNS photo/Paul Haring (Symbolbild)

Für George Spencer war eine Laufbahn in der anglikanischen Kirche vorgesehen. Doch es kam anders.

1830 wurde George Spencer in die katholische Kirche aufgenommen. Für seine Familie war die Entscheidung ein Schock, da sie zu den führenden protestantischen Familien des Landes gehörte. Seine Mutter Lavinia, Countess Spencer, hat nach Angaben des Historikers Pearson kein Wort mehr mit ihrem Sohn gesprochen. Am Tag seiner Priesterweihe soll sie tiefste Trauer getragen haben.

Nach dem ersten Schock hat sein Vater, was durchaus unter den Umständen ungewöhnlich war, Geld für seine weitere Ausbildung bereit gestellt. Georges Schwester Sarah fasste laut Pearson die Gefühle der Familie in einem Brief so zusammen: "Der arme George verfügt über so viele und so große Besonderheiten. Ein wahrhaft himmlischer Geist, aber nicht geschaffen für diese unhimmlische Welt."

Missionar

Nach seiner Priesterweihe in Rom 1832 kehrte Spencer nach England zurück. Er wirkte zunächst in West Bromwich. Dort erwarb er sich den Ruf eines ungewöhnlich selbstlosen Seelsorgers. Er kümmerte sich um Arme und Bedürftige und gab ihnen, was er selbst besaß. Später reiste er als Missionar durch England, Irland und Schottland. 

1846 schloss er sich den Passionisten an, einer noch jungen Ordensgemeinschaft, die sich besonders der Verehrung des Leidens Christi und der Volksmission widmete. Aus George Spencer wurde Pater Ignatius von St. Paul. Seine besondere Leidenschaft galt der Bekehrung Englands zum katholischen Glauben und zugleich der Einheit der Christen. Er organisierte Gebetsgemeinschaften und warb um Gebet für die Wiedervereinigung der christlichen Konfessionen.

Charles und Diana bei Johannes Paul II.
Bild: ©IMAGO/Photo News (Archivbild)

Papst Johannes Paul II. empfing Prinz Charles und Prinzessin Diana im April 1985 im Vatikan.

Bis zu seinem Tod hielt er Hunderte solcher Volksmissionen. Die Passionisten zählen 245 sogenannte "little missions", die er seit 1857 in England, Irland und Schottland durchführte. Dabei predigte er die Heiligung des Lebens als Voraussetzung für die Erneuerung des christlichen Glaubens und die Einheit der Christen. 

Am 1. Oktober 1864 starb Ignatius Spencer in Carstairs in Schottland. Sein Leichnam wurde später nach St. Anne's in Sutton bei St. Helens überführt, wo er heute neben anderen bedeutenden Passionisten bestattet ist.

Vermittler zwischen den Konfessionen

Spencer sah sich aufgrund seiner Herkunft und seiner eigenen Lebensgeschichte als möglichen Vermittler zwischen den Konfessionen. Er förderte das Gebet für die Einheit der Christen – und war früher dafür im Einsatz als Kardinal John Henry Newman, der 2019 von Papst Franziskus heiliggesprochen wurde.

Als Ende April 1985 Prinzessin Diana und Prinz Charles, damals noch verheiratet, im Vatikan bei Papst Johannes Paul II. zur Audienz kamen, wurde ihnen in der Vatikan-Bibliothek eine kleine Ausstellung mit Briefen und Dokumenten aus dem Leben von George Spencer gezeigt. Ignatius Spencer wurde als früher Vertreter der Ökumene und Befürworter der Einheit zwischen Katholiken und Protestanten dargestellt.

Von Christiane Laudage (KNA)