Die Muttergottes und der Rosenkranzmonat Oktober
HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.
Rosenkranzkönigin, Jungfrau voll Gnade. Wer diese Worte ganz unbefangen liest oder hört, hat womöglich das Bild einer jungen Frau aus der Ukraine vor Augen, mit einem Kranz aus Rosen im Haar, wie er dort zu Festen gerne getragen wird. Die Worte klingen zudem ein wenig nach Märchen oder Fantasygeschichte: eine besondere Jungfrau, die mit einem Kranz von Rosen zur Königin gekrönt wird? Ja und nein, mit einer Meerjungfrau hat das Ganze jedenfalls nichts zu tun.
Wer häufiger katholische Gottesdienste besucht und gerne Kirchenlieder singt, erkennt bei diesen Worten vermutlich sofort die Melodie des Lieds der "Rosenkranzkönigin". Es ist ein deutsches Marienlied, das 1890 entstand und heute in vielen Diözesanteilen des Gesangbuchs Gotteslob enthalten ist, besonders in Süddeutschland und Österreich. Jede Strophe beginnt mit dieser sehr würdevollen Anrufung Marias und verbindet sie mit weiteren Ehrenbezeichnungen oder Marientiteln: "Jungfrau voll Gnade", "Mutter, du Reine", "Fürstin, du Hehre", "Pforte des Lebens" und "Hilfe im Streite". Sie stammen aus der Lauretanischen Litanei, einem seit dem Mittelalter stark verbreiteten Mariengebet, das auf den italienischen Wallfahrtsort Loreto zurückgeht.
Warum Maria vor allem im Monat Oktober in vielen Andachten als Rosenkranzkönigin geehrt und verehrt wird, geht auf eine besondere historische Begebenheit zurück. Dass der Oktober zum "Rosenkranzmonat" wurde, hängt mit einer Seeschlacht im Mittelmeer zusammen.
Die Grotte von Massabielle im französischen Wallfahrtsort Lourdes. Es ist einer der beliebtesten Marienwallfahrtsorte der Welt.
Rosenkranzkönigin, Jungfrau voll Gnade. Wer diese Worte ganz unbefangen liest oder hört, hat womöglich das Bild einer jungen Frau aus der Ukraine vor Augen, mit einem Kranz aus Rosen im Haar, wie er dort zu Festen gerne getragen wird. Die Worte klingen zudem ein wenig nach Märchen oder Fantasygeschichte: eine besondere Jungfrau, die mit einem Kranz von Rosen zur Königin gekrönt wird? Ja und nein, mit einer Meerjungfrau hat das Ganze jedenfalls nichts zu tun.
Wer häufiger katholische Gottesdienste besucht und gerne Kirchenlieder singt, erkennt bei diesen Worten vermutlich sofort die Melodie des Lieds der "Rosenkranzkönigin". Es ist ein deutsches Marienlied, das 1890 entstand und heute in vielen Diözesanteilen des Gesangbuchs Gotteslob enthalten ist, besonders in Süddeutschland und Österreich. Jede Strophe beginnt mit dieser sehr würdevollen Anrufung Marias und verbindet sie mit weiteren Ehrenbezeichnungen oder Marientiteln: "Jungfrau voll Gnade", "Mutter, du Reine", "Fürstin, du Hehre", "Pforte des Lebens" und "Hilfe im Streite". Sie stammen aus der Lauretanischen Litanei, einem seit dem Mittelalter stark verbreiteten Mariengebet, das auf den italienischen Wallfahrtsort Loreto zurückgeht.
Warum Maria vor allem im Monat Oktober in vielen Andachten als Rosenkranzkönigin geehrt und verehrt wird, geht auf eine besondere historische Begebenheit zurück. Dass der Oktober zum "Rosenkranzmonat" wurde, hängt mit einer Seeschlacht im Mittelmeer zusammen.
Laut einer Erzählung aus dem Mittelalter erhielt der Heilige Dominikus den Rosenkranz von der Muttergottes als "Waffe" gegen die Karthäuser.
Anfang Oktober 1571 trafen die Schiffe der Heiligen Liga, einer christlichen Allianz der Mittelmeermächte, im Ionischen Meer bei Lepanto auf ihren Gegner, die Schiffe des Osmanischen Reichs, die unter muslimischer Flagge fuhren. Die Schlacht von Lepanto gilt als eine der großen Seeschlachten und wurde von Künstlern der damaligen Zeit gerne als Ölgemälde dargestellt.
Wenige Jahre zuvor hatte Papst Pius V. (1566–1572), der als großer Förderer des Rosenkranzgebets gilt, drei wichtige marianische Dokumente erlassen. Die Bulle "Ex omnis afflictionibus" (1567) und die Apostolischen Konstitutionen "Consueverunt Romani Pontifices" (1569) und "Super speculam Domini" (1570) stehen im Kontext der Gegenreformation. In Abgrenzung zu den protestantischen Reformatoren wollte Pius V. die Marienverehrung und damit die katholische Identität stärken und legte 1569 in einer Art "Magna Charta des Rosenkranzes" eine einheitliche und offizielle Form des Rosenkranzgebets fest: 150 Ave Maria, aufgeteilt in 15 Gesätze zu je 10 Gebeten, inhaltlich kombiniert mit der Betrachtung der Heilsmysterien, den sogenannten "Geheimnissen" (freudenreich, schmerzhaft und glorreich). Zugleich fixierte der Papst den Text des Ave Maria in seiner heutigen Form.
Nach dem überraschenden Sieg der "Heiligen Liga" der christlichen Mächte über die osmanische Flotte am 7. Oktober 1571 ordnete der Papst ein jährliches Dankfest an. Er war überzeugt, dass der Sieg dem weltweiten Rosenkranzgebet der Gläubigen zu verdanken war. Das Fest hieß zunächst "Unsere Liebe Frau vom Siege" und wurde später zum offiziellen Fest "Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz" am 7. Oktober. Papst Gregor XIII. (1572–1585) gestattete dann, dass in Kirchen, in denen es einen Marienaltar zum Gebet des Rosenkranzes gab, am ersten Sonntag im Oktober ein "Fest des heiligen Rosenkranzes" gefeiert werden darf. Nach dem erneuten Sieg über die Türken 1716 unter Prinz Eugen bei Peterwardein (Österreich) wurde dieses Fest auf die ganze Kirche ausgedehnt. Pius X. verlegte es 1913 wieder auf den ursprünglichen Termin, den 7. Oktober.
Selbst in hohem Alter kann der Rosenkranz Halt und Trost im Gebet bieten.
Die besondere Gebetsform des Rosenkranzes, bei dem man eine bestimmte Anzahl kurzer Gebetssätze, die sogenannten "Gesätze", wiederholt und abzählt wurde zu dieser Zeit schon lange praktiziert und variiert. Die Wiederholung kurzer Gebete ist dabei katholische Eigenart, sondern findet sich mit kleinen Perlen an Gebetsschnüren zum Zählen auch im Islam und Buddhismus. In der christlichen Ostkirche war diese Andachtsform schon ab dem 3. Jahrhundert gebräuchlich, ehe sie sich auch in der römischen Westkirche durchsetzte.
Die älteste schriftliche Spur einer mit Steinen aufgezogenen Zählschnur findet sich Überlieferungen nach bei der angelsächsischen Adeligen Lady Godiva im 9. Jahrhundert, lange bevor jemand an ein Rosenkranzgebet im heutigen Sinn dachte. Der Trierer Kartäusermönch Dominikus von Preußen fasste im Advent 1409 die Betrachtung des Lebens Jesu in fünfzig kurze Gebetssätze und gab dem bloßen Zählen so einen geistlichen Inhalt. Er kombinierte damit eine Gebetsform, die von einigen seiner Mitbrüder probiert und gepflegt wurde: Man betete eine größere Anzahl des Gebetes "Gegrüßet seist du, Maria" hintereinander und versenkte sich bei dem gleichförmigen, sich stets wiederholenden Gebet in betrachtende Meditation über Jesus und seine Mutter Maria. Das einfache Gebet forderte keine besondere Bildung, sondern konnte in frommer Andacht von jedem gebetet werden.
Wohl auch deshalb wurde das Rosenkranzgebet, das das Ave Maria des Engels mit dem Heilsgeheimnissen Jesu kombiniert, bald sehr populär. Mit seiner eingängigen Form und der Wiederholung der Gesätze wurde es in früheren Jahrhunderten auch zum wichtigen Instrument der Katechese, der christlichen Glaubensunterweisung.
Die Verkündigung Mariens durch den Engel des Herrn.
Papst Leo XIII., der die Kirche von 1878 bis 1903 leitete und durch seine Enzyklika "Rerum Novarum" (1891) als Vater der katholischen Soziallehre gilt, verankerte den Monat Oktober als Rosenkranzmonat. Von seinen insgesamt 86 Lehrschreiben und Konstitutionen widmete er allein 16 dem Rosenkranz. In seiner Enzyklika "Octobri mense" (1891) ordnete er an, dass in allen Pfarrkirchen im Oktober täglich der Rosenkranz zu beten sei, und schuf damit, ohne es so zu nennen, eine Art Tagzeitengebet für die Gemeinde.
Tatsächlich war der Rosenkranz seit jeher ein Ersatz für das Stundengebet: Wer die 150 Psalmen nicht lesen konnte, weil er der lateinischen Sprache nicht mächtig war und auch gar nicht lesen konnte, fand in den drei mal fünfzig Ave Maria eine eigene, zugängliche Gebetsform. Und wie beim gemeinsamen Stundengebet niemand jedes einzelne Wort bewusst erfasst, sondern im Zusammenklang der Psalmen oder Verse bei einzelnen Gedanken verweilt, so öffnet auch der Rhythmus des Rosenkranzes einen besonderen Raum der Sammlung. Man kann im Beten und Wiederholen der einzelnen Heilsgeheimnisse verweilen, ohne jedes Wort zu kontrollieren.
Rosenkranzgebet, Rosenkranzmonat, Rosenkranzfest – woher aber kommt die Verbindung der Gesätze mit den Rosen? Im Mittelalter war es Brauch, Marienstatuen in den Kirchen und bei Prozessionen mit Kränzen aus echten Rosen zu schmücken. Aus diesem Bild und dieser Tradition wuchs die Vorstellung, jedes gesprochene Ave Maria sei wie eine Rose, die man Maria schenkt. Eine einzelne Blüte welkt rasch und wiegt wenig, doch viele Rosen zusammen ergeben einen Kranz, der bleibt. So erklärt sich der Name des Liedes von der Rosenkranzkönigin ohne Märchenlogik: Maria wird nicht gekrönt, weil sie es nötig hätte, sondern weil sich in diesem Gebet das Geheimnis ihres Lebens sammelt: ihr Ja zu Gott, ihre Nähe zu Jesus, ihre Freude und ihr Schmerz.
Die Autorin
Schwester Dr. Gabriela Zinkl SMCB ist Ordensschwester bei den Borromäerinnen, promovierte Theologin (Kirchenrecht) und in der Ordensleitung in Kloster Grafschaft tätig.
