Asteroid nach Vatikan-Regierungschefin benannt
Die Regierungschefin des Vatikanstaats wurde im Weltraum verewigt. Ein Himmelskörper im Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter wurde nun nach Schwester Raffaella Petrini benannt, die seit 2025 an der Spitze des Governatorats des Staats der Vatikanstadt steht. Das geht aus dem jüngsten Bulletin (Nr. 16/2026) der Arbeitsgruppe für die Benennung kleiner Himmelskörper der Internationalen Astronomischen Union (IAU) hervor. Der Asteroid trägt nun den Namen "(651168) Petrini". Außerdem wurden drei Asteroiden nach Jesuiten und einer nach dem Wallfahrtsort Santiago de Compostela benannt.
Petrini steht seit März 2025 als erste Frau an der Spitze der Regierung des Vatikanstaats. Zuvor war die Franziskanerin und promovierte Sozialwissenschaftlerin bereits Generalsekretärin und damit Vize-Regierungschefin. Als Präsidentin des Governatorats ist sie auch für die vatikanische Sternwarte und deren Finanzierung verantwortlich und Mitglied ihres Stiftungsvorstands.
Bei der Franziskanerin Petrini handelt es sich nicht um die erste Ordensfrau, die mit einem Asteroidennamen geehrt wurde. Im Januar wurden Asteroiden nach den heiligen Ordensfrauen Faustyna Kowalska und Ursula Ledóchowska benannt. Im vergangenen Jahr wurden vier Ordensfrauen geehrt, die bei der Auswertung von Sternkarten Anfang des 20. Jahrhunderts mitgewirkt hatten.
Jesuiten führen die Liste der kirchlichen Asteroidennamen an
Die Zahl der Jesuiten im Asteroidengürtel steigt mit der aktuellen Benennungsrunde weiter. Mittlerweile tragen über 50 Asteroiden den Namen von Jesuiten. Neu dazugekommen sind die Asteroiden "(864404) Paulmueller", "(864938) Giuseppekoch" und "(281208) Žebrauskas". Die ersten beiden ehren noch lebende Jesuiten, die an der vom Orden geleiteten vatikanischen Sternwarte wirkten, der dritte den litauischen Jesuiten und Astronomen Tomas Žebrauskas, der im 18. Jahrhundert die Sternwarte der Universität Vilnius begründete. Der Asteroid "(884759) Compostela" verweist auf den spanischen Pilgerort Santiago de Compostela. "Compostela" wird volkstümlich auf den lateinischen Ausdruck "Campus stellae", "Feld des Sterns", zurückgeführt. Alle Namen der Asteroiden wurden durch ihren Entdecker, den litauischen Astronomen Kazimieras Černis, vorgeschlagen.
Die Benennung von Asteroiden ist ein mehrstufiger Prozess. Ein neuer Himmelskörper wird registriert, wenn er von einem Beobachter in zwei aufeinanderfolgenden Nächten beobachtet wird. Die Sichtungen müssen dann dem "Minor Planet Center" der IAU gemeldet werden, das eine provisorische Identifikationsnummer vergibt. Anschließend werden frühere Sichtungen von bislang unidentifizierten Himmelskörpern mit der neuen Sichtung abgeglichen, eventuelle Doppelungen werden zusammengeführt. Sobald aus den Daten eine genaue Umlaufbahn ermittelt werden kann, erhält der Asteroid eine permanente Nummer. Das Recht, einen Namen auszuwählen, kommt dem Forscher zu, der genügend Daten für die Berechnung des Orbits geliefert hat, also nicht notwendig dem ersten Entdecker. Der Namensvorschlag wird dann von der Arbeitsgruppe für die Benennung kleiner Himmelskörper geprüft und schließlich offiziell veröffentlicht. (fxn)
