Koch: Darf Bischof passieren, dass er Glauben nicht mehr im Griff hat
Der Berliner Erzbischof Heiner Koch hat darauf hingewiesen, dass zunehmend auch katholische Familien ihre Kinder nicht mehr taufen lassen. In Berlin werde nur noch jedes dritte Kind, dessen Vater oder Mutter katholisch ist, getauft. "Dieses Faktum ist auf die Länge der Zeit erheblich bedrohlicher als viele kirchliche Problemfelder und -fragen", sagte Koch bei der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) in Fulda.
Dass der Glaube schwinde, liege auch an der unbeantworteten Frage, warum es so viel Leid und unverschuldetes Elend gebe. Ein triumphales Glaubenszeugnis sei nicht mehr glaubwürdig, predigte Koch am Mittwoch in einem Gottesdienst. "Wir dürfen auch an Gott zweifeln. Es darf einem Bischof passieren, dass er den Glauben nicht mehr im Griff hat." Wichtig sei es, an Gott festzuhalten, auch wenn man ihn nicht verstehen und erklären könne.
Thema der Vollversammlung am Mittwoch
Bei ihrer Vollversammlung wollen die Bischöfe am Mittwochmittag die Ergebnisse ihrer Debatte zu Chancen und Risiken von Künstlicher Intelligenz (KI) vorstellen (ab 13 Uhr live auf katholisch.de). Zum Auftakt des Treffens hatte der DBK-Vorsitzende Heiner Wilmer gesagt, KI dürfe niemals über Leben und Tod entscheiden. Caritas-Präsidentin Eva Welskop-Deffaa warnte vor KI-Pflegerobotern, die Patienten zu Suizid-Entscheidungen drängen könnten.
Die Tagung läuft noch bis Donnerstag. Die rund 60 Bischöfe beraten unter anderem über bioethische Fragen und zum erstarkenden politischen Extremismus in Deutschland. Auf der Tagesordnung steht auch der Dialogprozess zur Zukunft der Kirche. Der bisherige Flüchtlingsbischof Stefan Heße will seinen Bericht zum kirchlichen Engagement für Migranten vorstellen. (tmg/KNA)
