Studie untersuchte Nutzung durch Geistliche

Predigt-Ausbilder: KI-Predigten sind gegen Berufsehre von Geistlichen

Veröffentlicht am 30.09.2026 um 12:35 Uhr – Lesedauer: 

Hamburg ‐ Viele Geistliche nutzen laut einer Studie Künstliche Intelligenz – wohl auch für die Vorbereitung und Erstellung von Predigten. Ein Predigt-Ausbilder fragt: Warum sollte man die Verkündigung einer Maschine überlassen?

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Nach Ansicht des evangelischen Pfarrers und Predigt-Ausbilders Olaf Trenn widerspricht die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) zur Predigtvorbereitung oder -erstellung der Berufsehre von Geistlichen. "Wenn ich durch ihren Einsatz für die Kernaufgaben des Pfarramtes mehr Zeit bekomme, dann kann das eine gute Sache sein", sagte Trenn im Interview der "Zeit"-Beilage "Christ und Welt" (aktuelle Ausgabe). "Wenn mich künstliche Intelligenz aber von den Kernaufgaben wie der Predigt oder der Seelsorge 'entlastet', dann muss ich mich fragen, warum ich diesen Beruf gewählt habe."

Trenn, der Dozent am Evangelischen Predigerseminar Wittenberg ist und dort Pfarrerinnen und Pfarrer mehrerer ostdeutscher Landeskirchen ausbildet, betonte, dass er den Einsatz von KI im Pfarrberuf nicht kategorisch ablehne. Doch die Verkündigung des Evangeliums in der persönlichen sprachlichen Gestalt sei die zentrale Aufgabe im Pfarramt. "Warum sollten wir in unserem Beruf ausgerechnet einen der schönsten und wichtigsten Aufträge an eine Maschine delegieren?", so der Theologe.

Spiritueller Weg

Die Predigtvorbereitung bezeichnete Trenn als spirituellen Weg. "Predigten müssen von Menschen verfasst sein. Sie sind mehr als das Abliefern christlicher Gebrauchstexte. Die Beschäftigung mit ihnen verändert mich als Prediger." In einer Welt, in der KI perfekte Ergebnisse erzeuge, brauche es möglicherweise das Unperfekte und Fragmentarische. "Wenn ich einen Menschen dabei beobachte, wie er nachdenkt und einen eigenen Gedanken formuliert, dann berührt mich das." Trenn sprach sich für "Fehlerfreundlichkeit" aus, da es letztendlich um Menschlichkeit gehe. "Unser Gott ist auch Mensch geworden – und, ja, gescheitert ist er auch so manches Mal."

Einer kürzlich veröffentlichten konfessionsübergreifenden Studie zufolge arbeiten rund 62 Prozent der Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland mit Künstlicher Intelligenz. Diejenigen, die sich von der KI unterstützen lassen, nannten die Text-Erstellung als wichtigstes Feld (62,3 Prozent). Wie und in welchem Umfang KI zur Predigtvorbereitung eingesetzt wird, ist aus der aktuellen Datenlage nicht genau ersichtlich. Aus den offenen Antworten geht laut den Studienleitern jedoch hervor, dass die Predigterstellung ein wichtiger Bereich der Texterstellung ist. (mal)