Strengere Maßnahmen gefordert

Untersuchung: Fast 1.000 Kinder in drei US-Diözesen missbraucht

Veröffentlicht am 01.10.2026 um 16:37 Uhr – Lesedauer: 

Fall River/Springfield/Worcester ‐ Eine Untersuchung der Generalstaatsanwaltschaft im US-Bundesstaat Massachusetts hat jahrzehntelangen Missbrauch an fast 1.000 Kindern durch 270 Geistliche aufgedeckt. Die Schutzmaßnahmen seien noch heute zu lasch.

  • Teilen:

In drei Diözesen im US-Bundestaat Massachusetts sind durch Geistliche fast 1.000 Kinder missbraucht worden. Das ergab eine staatliche Untersuchung, die am Mittwoch veröffentlicht wurde. "Dieser Bericht liefert erstmals eine öffentliche Aufstellung der unvorstellbaren Schäden, die Kindern in den Diözesen Fall River, Springfield und Worcester zugefügt wurden", sagte Generalstaatsanwältin Andrea Joy Campbell laut der Pressemitteilung zur Veröffentlichung. 270 katholische Geistliche wurden als Täter aufgeführt. Es wurden Fälle seit etwa 1950 bis heute berücksichtigt.

Der Bericht ist das Ergebnis der Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft zu sexuellem Kindesmissbrauch in den Diözesen Fall River, Springfield und Worcester. Die Behörden schreiben darin unter anderem, dass die Diözesanleitungen jahrzehntelang nicht oder zu wenig auf Vorwürfe des sexuellen Kindesmissbrauchs reagiert hätten. Beschuldigte und straffällige Priester seien in andere Pfarreien versetzt worden, ohne die Gründe offenzulegen. Nach einer Therapie seien Priester ohne angemessene Aufsicht wieder in den Dienst entlassen worden. Vorwürfe seien zudem nicht konsequent an die Strafverfolgungsbehörden gemeldet worden. 

Noch heute werden die Schutzmaßnahmen nicht konsequent genug umgesetzt 

Nach der öffentlichen Aufdeckung des sexuellen Missbrauchs durch Geistliche in den USA im Jahr 2002 wurden bereits staatliche und kirchliche Reformen durchgeführt. Im Bundesstaats Massachusetts wurden die Gesetze zum Kinderschutz und zur Meldepflicht verschärft. Die drei Diözesen richteten eigene Stellen für Kinderschutz und Opferhilfe ein, führten Schulungen und Überprüfungen möglicher Vorstrafen der Mitarbeitenden durch. Außerdem wurden neue Verfahren zur Meldung und Untersuchung von Vorwürfen eingerichtet.

Akten liegen gestapelt im Regal eines Bistumsarchivs
Bild: ©KNA/Julia Steinbrecht (Symbolbild)

Akten liegen gestapelt im Regal eines Bistumsarchivs am 19. März 2021.

Der Bericht bemängelt nun aber auch die Umsetzung nach 2002. Es gebe Fortschritte, aber die Richtlinien seien nicht konsequent befolgt worden und Ausnahmen hätten häufig die Schutzmaßnahmen für die Kinder untergraben. Insbesondere die Diözese Worcester habe bis heute keine öffentlich zugängliche Liste von Geistlichen gegen die glaubhafte Vorwürfe vorliegen. 

Staatsanwältin empfiehlt strengere Gesetze und zusätzliche Schutzmaßnahmen 

Campbell forderte daher zusätzliche Schutzmaßnahmen in den Diözesen und einen besseren Umgang mit Opfern. Darüber hinaus empfahl sie, die Gesetze im Bundesstaat zu verschärfen, um unter anderem die Verjährung bei zivilrechtlichen Klagen abzuschaffen. 

Seit 2002 hat die Bischofskonferenz der USA eine "Charta zum Schutz von Kindern und Jugendlichen", in der Leitlinien für Prävention und den Umgang mit Betroffenen festgehalten sind. Darüber hinaus laufen Aufarbeitungsverfahren auch immer wieder über staatsanwaltliche Verfahren. So legte auch im Bundesstaat Pennsylvania eine Untersuchung eines Geschworenengerichts Missbrauch durch über 300 Priestern an 1.000 Kindern offen. (chd)