Joshy Pottackal im katholisch.de-Interview

Weihbischof: Muttersprachliche Gemeinden können Wir-Gefühl vermitteln

Veröffentlicht am 06.10.2026 um 00:01 Uhr – Von Christoph Brüwer – Lesedauer: 

Fulda/Mainz ‐ Joshy Pottackal ist der erste deutsche Bischof, der nicht in Europa geboren wurde. Im katholisch.de-Interview spricht er über Rückmeldungen aus muttersprachlichen Gemeinden und den weltkirchlichen Blick auf Deutschland.

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Der Mainzer Weihbischof Joshy Pottackal ist einer der jüngsten Bischöfe der deutschen Bischofskonferenz – und der erste Bischof mit außereuropäischen Wurzeln in Deutschland. Im katholisch.de-Interview spricht er darüber, warum er die Kirche in Deutschland manchmal verteidigen muss und was er an muttersprachlichen Gemeinden schätzt. 

Frage: Herr Weihbischof Pottackal, Sie waren zum ersten Mal bei einer Vollversammlung der deutschen Bischöfe dabei. Was hat Sie dabei am meisten überrascht?

Pottackal: Eigentlich nichts. Die Tagesordnung haben wir schon vorher geschickt bekommen, deswegen war das jetzt keine große Überraschung. Das nehme ich auch sehr positiv wahr: Es ist alles so gut vorbereitet, dass es keine Überraschungen gibt.

Frage: Wie wurden Sie denn von ihren bischöflichen Mitbrüdern aufgenommen?

Pottackal: Die Atmosphäre ist sehr gut, die anderen Bischöfe sind sehr aufgeschlossen auf mich zugekommen. So konnten wir uns gut gegenseitig kennenlernen. Ich habe mich nicht wie jemand gefühlt, der von außerhalb dazukommt, weil er vielleicht einen Migrationshintergrund hat.

Der Mainzer Weihbischof Joshy Pottackal lächelt in einem Video-Interview mit katholisch.de
Bild: ©katholisch.de/cbr

Er bekomme häufig Anfragen aus muttersprachlichen Gemeinden, ob er selbst etwa zu Firmungen kommen könne, sagt der Mainzer Weihbischof Joshy Pottackal. "Das ist für mich großartig und auch eine Anerkennung."

Frage: Vor Ihrer Weihe haben Sie in einem Interview betont, dass Sie Ihre Ernennung als ein Zeichen für die Entwicklung der Kirche in Deutschland sehen, weil viele Priester und viele Gläubige ihre Wurzeln im Ausland haben. Welche Rückmeldungen haben Sie aus diesen Kreisen seit Ihrer Weihe bekommen?

Pottackal: Ich habe sehr viele Rückmeldungen bekommen! Dass die indische Community oder dass mein Orden sich freut, kann ich ja nachvollziehen und verstehen. Aber mittlerweile mache ich die Erfahrung, dass alle Sprachgruppen sich durch meine Ernennung irgendwie gesehen fühlen – egal, ob es eine kroatische, polnische, portugiesische oder afrikanische Gemeinde ist. Ich bekomme häufig sogar Anfragen, ob ich in diesen Gemeinden zum Beispiel zu Firmungen kommen kann. Das ist für mich großartig und auch eine Anerkennung.

Frage: Viele Gläubige mit ausländischen Wurzeln sind in diesen muttersprachlichen Gemeinden organisiert. Es gibt aber auch Kritik daran, sie würden nur unter sich bleiben wollen und seien nicht gut in die bestehenden Pfarreien integriert. Wie erleben Sie das?

Pottackal: Das ist von Bistum zu Bistum unterschiedlich. Im Bistum Mainz versuchen wir schon, die muttersprachlichen Gemeinden strukturell auch in die deutschsprachigen Pfarreien zu integrieren. Seelsorger, die aus dem Ausland kommen, sollen beispielsweise gute Deutschkenntnisse haben. Dafür haben Sie natürlich ein bisschen Zeit, weil sie erstmal mit ihren Gläubigen arbeiten sollen. Es ist trotzdem aber wichtig. Zum anderen sind die muttersprachlichen Gemeinden keine separaten Gemeinden, sondern Teil der jeweiligen Pfarrei. Wir ernennen keine neuen Pfarrer mehr für die muttersprachlichen Gemeinden, sondern verantwortliche Seelsorger, die auch in der deutschen Gemeinde mitarbeiten sollen.

„Muttersprachliche Gemeinden sind wichtig, weil man ja seine Wurzeln nicht einfach vergessen kann.“

—  Zitat: Weihbischof Joshy Pottackal

Frage: Wozu braucht es denn dann überhaupt noch muttersprachliche Gemeinden?

Pottackal: Muttersprachliche Gemeinden sind wichtig, weil man ja seine Wurzeln nicht einfach vergessen kann. Vielleicht ist der Besuch von Gottesdiensten in anderen Sprachen etwas, was die Gläubigen schon bei ihren Eltern oder Großeltern kennengelernt haben. Oft gehört es zur Kultur, dass man nach der Messe zusammensitzt und sich austauscht. In dieser Gemeinschaft können die Gläubigen dann auch ein bisschen Heimat fühlen.

Frage: Welche Impulse können von den muttersprachlichen Gemeinden insgesamt in die deutschsprachigen Gemeinden ausgehen?

Pottackal: Aus meiner Sicht ist das ein Wir-Gefühl. Wir als Christen sind bei allen Unterschieden trotzdem eine Gruppe, die zusammenkommen und zusammen Gottesdienste feiern kann.

Frage: Was bräuchte es, dass muttersprachliche Gemeinden und deutschsprachige Gemeinden an der Basis mehr zueinanderfinden?

Pottackal: Das Wichtigste ist, Begegnungsmöglichkeiten zu schaffen. Das fängt schon im Kindergarten und in der Schule an. Dann auch in den Kirchengemeinden, bei der Sakramentenkatechese etwa, dass die verbunden wird. Das ist alles nicht neu. Aber ich denke, dass man so Räume für Begegnungen schafft.

Bischöfe beim Gottesdienst zur Eröffnung der letzten Phase der Weltsynode auf dem Petersplatz im Vatikan.
Bild: ©KNA/Stefano Dal Pozzolo/Romano Siciliani (Symbolbild)

Rund um den Synodalen Weg sind in der Weltkirche aus Sicht von Weihbischof Joshy Pottackal viele "Fake News unterwegs". Dies habe er auch beim Einführungskurs für neue Bischöfe in Rom gemerkt.

Frage: Sie sind Mitglied in einem internationalen Orden und haben selbst viele Kontakte in die Weltkirche. Wie wird dort auf die katholische Kirche in Deutschland geschaut?

Pottackal: Von Deutschland gingen viele Impulse aus und es gab viele bedeutende und große deutsche Theologen. Das wird immer mit großer Bewunderung wahrgenommen. Andererseits wird gerade die Entwicklung rund um den Synodalen Weg auch kritisch gesehen – zuletzt etwa beim Thema Laienpredigt. Da sind aus meiner Sicht auch viele Fake News unterwegs. Das habe ich auch beim Einführungskurs für neue Bischöfe in Rom gemerkt.

Frage: Inwiefern?

Pottackal: Weil ich aus Deutschland komme und gleichzeitig einen anderen Hintergrund habe, trauen sich viele, mich zu fragen, ob wir zum Beispiel bei der internationalen Synodalität nicht mitmachen und ob das alles noch katholisch ist.

Frage: Müssen Sie dann als Anwalt für die Kirche in Deutschland auftreten?

Pottackal: Genau, ich frage dann schon, woher diese Informationen kommen und sage, dass wir selbstverständlich Teil der katholischen Kirche sind. Und ich versuche auch zu erklären, wie man den Glauben hier anders lebt, dass viele Menschen Kirchensteuer zahlen und es viel ehrenamtliches Engagement gibt zum Beispiel. Das kann man nicht einfach an den Zahlen des Gottesdienstbesuchs ablesen.

Von Christoph Brüwer