"Amoris laetitia" sei "wichtiger Meilenstein"

Papst Leo XIV. wirbt für neue Sicht auf Ehe und Familie

Veröffentlicht am 07.10.2026 um 18:11 Uhr – Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Ehe und Familie sind für die Kirche zentral: Hier wird das Leben weitergegeben, hier wird der Glaube gelebt und gelehrt. Doch die Realität von Ehe und Familie ändert sich. Leo XIV. will, dass die Kirche das ernstnimmt.

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Papst Leo XIV. hat die katholischen Bischöfe aller Erdteile aufgerufen, die Seelsorge für Paare und Familien weiterzuentwickeln. Dabei sollten sie auch Fragen "mutig angehen", die sich aus dem Scheitern von Familienmodellen sowie aus aktuellen Veränderungen in den Bereichen Intimität und Sexualität ergeben.

Der Papst äußerte sich am Mittwochnachmittag im Vatikan zu Beginn einer eigens einberufenen Versammlung der Vorsitzenden aller Bischofskonferenzen sowie der Führer katholischer Ostkirchen.

In seiner auf Englisch vorgetragenen Eröffnungsansprache sagte Leo XIV.: "Die Weisheit des Volkes Gottes erreicht uns durch unseren gemeinsamen Glauben, der alle Familien erleuchtet – auch jene, die von Schwierigkeiten, Einsamkeit und bisweilen sogar von scheinbarem Scheitern geprägt sind."

Zehn Jahre nach Franziskus-Text

Weiter erklärte Leo XIV. vor den rund 120 Bischofskonferenz-Vorsitzenden und Patriarchen: "Wir können gewiss viel von den Familien lernen. Ihr Leben stellt uns außerdem vor Fragen, die es verdienen, mutig angegangen zu werden. In vielen Kontexten hat sich eine wachsende Kluft zwischen der Art und Weise, wie Sexualität und Intimität gelebt werden, und der christlichen Sicht der Ehe aufgetan."

Anlass der einwöchigen Beratungen im Vatikan ist der zehnte Jahrestag des Schreibens "Amoris laetitia" von Papst Franziskus (2013–2025). Darin hatte Leos Vorgänger eine vorsichtige Öffnung des Umgangs der katholischen Kirche mit Menschen befürwortet, die nach einer Scheidung erneut eine Zivilehe eingegangen sind. Konservative Kardinäle und Bischöfe hatten das damals scharf kritisiert.

"Amoris laetitia"
Bild: ©Cristian Gennari/Romano Siciliani/KNA (Archivbild)

Anlass für das Bischofstreffen in Rom ist der zehnte Jahrestag der Veröffentlichung der Enzyklika "Amoris laetitia".

Leo XIV. betonte, dass die Kirche mit dem Text den Weg fortsetze, den das Zweite Vatikanische Konzil (1962–1965) gewiesen habe. Das Reformkonzil hatte seinerzeit die Bedeutung von Ehe und Familie betont; zugleich hatte es wichtige Fragen der Ehe- und Sexualmoral ausgeklammert, die sich in den 1960er Jahren dynamisch veränderte.

"Amoris laetitia" stelle in dem seither zurückgelegten Weg der Kirche einen "wichtigen Meilenstein" dar, erklärte Leo. Nun gebe es neue "Geschichten von Bekehrung, von unerwarteten Früchten und von den Beziehungen, die Gott innerhalb von Familien geknüpft hat, als unsere Gemeinschaften versucht haben, sie zu begleiten – zusammen mit den Schwierigkeiten, denen wir begegnet sind, den Fragen, die aufgetaucht sind, und dem, was wir auf diesem Weg gelernt haben".

Auch Erfahrung von "scheinbarem Scheitern" ernstnehmen

Mit Nachdruck warb der Papst dafür, auch die Erfahrungen von "scheinbarem Scheitern" ernstzunehmen. Er sagte: "Die Erfahrung der Zerbrechlichkeit wirft die Frage auf, ob wir fähig sind, einander nahe zu bleiben, wenn das Leben nicht mehr dem entspricht, was man sich erhofft hatte, und ob wir das Wirken der Gnade auch in Situationen erkennen können, die von Grenzen, Wunden und scheinbarem Scheitern geprägt sind."

Alle könnten von Erfahrungen der Familien lernen, "da die Zerbrechlichkeit zu unserem gemeinsamen menschlichen Dasein und somit auch zum Leben der Kirche gehört. Wir alle kennen die Kluft zwischen dem Guten, das wir uns wünschen, und dem, was wir tatsächlich leben können. Wir brauchen Gnade, Vergebung und Neuanfänge, um Gottes Willen zu erfüllen."

Der Papst rief die Bischöfe und Patriarchen auf, die neuen Realitäten nicht nur zu deuten, sondern sich "von ihnen herausfordern zu lassen und unsere pastorale Verantwortung daraus zu motivieren, damit die Kirche neue Wege findet, das Evangelium zu verkünden, sakramentale Gnaden zu spenden (und) Familien zu begleiten". (KNA)