Oster: Zeit bischöflicher Alleingänge ist vorbei
Der Passauer Bischof Stefan Oster hält den Weg zu mehr Mitbestimmung in der katholischen Kirche für unumkehrbar. Ein neuer Bischof könne heute nicht mehr "die brutale Machtkeule rausholen und sagen: Ich mache jetzt alles anders" als der Vorgänger, sagte Oster am Mittwochabend bei einem Podiumsgespräch in der Passauer Universität. "Das geht heute nicht mehr."
Die Bedeutung interner Abstimmungsprozesse in der Leitung einer Diözese verdeutlichte Oster mit den Worten: "Wenn du deinen Apparat kulturell gegen dich hast, bist du der ärmste Hund als Bischof." Er selbst treffe keine Entscheidung mehr ohne intensive Beratung. Gelinge es miteinander angstfrei zu reden, könnten "überraschende Dinge passieren". Idealerweise stehe am Ende ein Konsens.
"Das Wichtigste geschieht in den Pausen"
Eine zentrale Erfahrung gelebter Synodalität ist für den Bischof: "Das Wichtigste geschieht in den Pausen." Das mit dem Schlagwort Klerikalismus umschriebene Leitungsproblem in der katholischen Kirche sei eng verbunden mit der Frage, ob einander wirklich zugehört werde.
Die Linzer Pastoraltheologin Klara-Antonia Csiszar sagte, Menschen zuzuhören sei anstrengend. Synodalität sei das Wagnis, einen Weg miteinander zu gehen, dessen Ziel unbekannt sei. Statt zu bestimmen, wo es langgehe, sei eher Geburtshilfe gefragt. Dabei komme es darauf an, "gute Fragen zu stellen, die helfen, voranzukommen". Synodalität sei Beziehungsarbeit und Friedensprojekt "in einer Welt, die auseinanderfällt".
Wie sich dieser Prozess in Strukturen und Verfahren übersetzen lasse, damit er nachhaltig werde, wisse sie noch nicht, räumte Csiszar ein. Zugleich äußerte sie die Hoffnung, dass viele andere Beteiligte das auch noch nicht klar sagen könnten.
Die Linzer Pastoraltheologin und Synodalitäts-Expertin Klara-Antonia Csiszar würdigte die Rolle von Papst Franziskus bei dem Prozess.
Die Theologin würdigte in diesem Zusammenhang die Rolle von Papst Franziskus als bahnbrechend. 2021 habe dieser mit einer weltweiten Befragung von 114 Bischofskonferenzen den größten Konsultationsprozess in der Menschheitsgeschichte gestartet. Damals habe niemand geahnt, welche Dynamik dieser Prozess annehmen würde.
In einigen Ortskirchen hätten Bischöfe damals die "Hausaufgaben" bei der Beantwortung der Fragen aus Rom noch allein erledigt, sagte die Professorin. Nun hätten immer mehr Leute "Geschmack daran gefunden, was Katholizität bedeutet: Weite, nicht Enge".
Mehr Beteiligung auf allen Ebenen
Auch wenn noch unklar sei, wohin die Reise gehe, stimme die "Grundmelodie", zeigte sich Csiszar überzeugt. In allen Bereichen der Kirche seien mehr Beteiligung und Mitgestaltung gefragt. So müssten die Bischöfe lernen, gegenüber dem Volk Gottes Rechenschaft abzulegen.
Oster und Csiszar äußerten sich bei einem Podiumsgespräch, ausgerichtet von der Katholischen Akademie in Bayern mit Bistum und Uni Passau. Beide waren an der Weltsynode 2021 bis 2024 in Rom beteiligt. (KNA)
