Standpunkt

Bischof Heiner Wilmer zwischen Reformern und Rom

Veröffentlicht am 25.02.2026 um 00:01 Uhr – Von Björn Odendahl – Lesedauer: 

Bonn ‐ Wie wird Bischof Heiner Wilmer sein Amt als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ausüben? Sein erstes Pressestatement lässt es erahnen, kommentiert Björn Odendahl.

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Noch am selben Morgen hatte Kardinal Rainer Maria Woelki während der Frühjahrsvollversammlung in Würzburg an seine Amtsbrüder appelliert, in der Einheit mit der Weltkirche und dem Papst zu bleiben. Auch wenn die Sorge vor einem Alleingang der deutschen Bischöfe auch vorher wahrscheinlich unbegründet war, wählten sie mit dem Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer einen neuen Vorsitzenden, der diese Einheit personifiziert.

Neben seiner Vita mit viel Erfahrung in Rom und der Welt lässt bereits sein erstes Pressestatement unmittelbar nach der Wahl erahnen, wie Wilmer sein Amt ausüben wird: sachlich, diplomatisch und geistlich durchdrungen. Er wolle Gott in den Fokus rücken – mit dem Evangelium in der Hand und den Menschen im Blick. Das sind Worte, die sowohl konservative Katholiken in Deutschland als auch die Verantwortlichen im Vatikan gerne hören werden. Schließlich bemängelten sie, dass es gerade beim Synodalen Weg allzu oft um Strukturdebatten und zu wenig um das Thema "Evangelisierung" ging.

Doch auch Menschen, die sich weiter Reformen in der katholischen Kirche wünschen, raubte Wilmer nicht die Hoffnung. Er sieht Änderungsbedarf, formuliert diesen aber nicht in Forderungen verpackt. So antwortete er auch auf mehrfache Nachfrage, wie er denn nun zu einer möglichen Frauenweihe stehe lediglich, dass er froh sei, dass das Thema "Frauen in Ämtern und Diensten" auf der Agenda der Weltsynode stehe. Die Worte Diakonat oder Frauenweihe nahm er dabei selbst nicht einmal in den Mund. Vermutlich kein Zufall. Der erste Eindruck im Vatikan ist nicht unwichtig. Frauen wolle er aber dennoch ins Zentrum rücken und sichtbar machen.

Wie Bischof Wilmers Stil sich auf das Verhältnis der Kirche in Deutschland zu Rom, aber auch auf das synodale Arbeiten in Deutschland auswirken wird, bleibt abzuwarten. "Frischen Wind" kann man in jedem Fall erwarten. Denn den verspricht der norddeutsche Wilmer selbst, wenn er sagt, dass er das Evangelium "mit Frische, Schmackes und einer steifen Brise im Haar" verkünden will.

Von Björn Odendahl

Der Autor

Björn Odendahl ist Redaktionsleiter bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.