Standpunkt

Zeitenwende im römisch-deutschen Verhältnis?

Veröffentlicht am 03.03.2026 um 00:01 Uhr – Von Christoph Brüwer – Lesedauer: 

Bonn ‐ Bei seinem ersten Rom-Besuch als neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz wird Bischof Heiner Wilmer einige Reformthemen im Gepäck haben. Das könnte ein Härtetest für die zuletzt verbesserten Beziehungen sein, kommentiert Christoph Brüwer.

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Ein dauerhaftes bundesweites Gremium, in dem Bischöfe, Geistliche und Laien gemeinsam beraten und für die Kirche in Deutschland Beschlüsse fassen – noch vor einigen Jahren war nur schwer vorstellbar, dass das mit dem Gütesiegel des Vatikans möglich sein könnte. Doch offensichtlich haben sich die Zeiten geändert. Jüngst erklärte der Passauer Bischof Stefan Oster – ein Kritiker des Synodalen Wegs in Deutschland – in einem Interview auf katholisch.de, dass auch er davon ausgehe, dass die Synodalkonferenz kommen werde.

Gab es zu Beginn des Synodalen Wegs immer wieder vatikanische Mahn- und Verbotsschreiben, bemühten sich Kurie und deutsche Bischöfe zuletzt um frühzeitige und kleinteilige Absprachen, um Missverständnisse direkt aus dem Weg zu räumen. Eine Taktik, die offenbar Früchte trägt und fortgeführt werden sollte. In seiner Abschluss-Pressekonferenz kündigte der neue Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Heiner Wilmer, bereits an, bei seinem nächsten Rom-Besuch die "Recognitio" – also die Genehmigung – für die Satzung der Synodalkonferenz zu beantragen.

Im Gepäck hat er dann aber auch eine weitere Reformforderung des Synodalen Wegs: eine Predigterlaubnis für nicht-geweihte Frauen und Männer. Auch hierfür wolle er in Rom werben und um Zustimmung für eine Predigtordnung bitten, betonte Wilmer. Eine entsprechende Forderung des Synodalen Wegs hatte Liturgiepräfekt Kardinal Arthur Roche 2023 in einem Brief an Wilmers Vorgänger Georg Bätzing noch abgelehnt.

In seinem Interview betonte Oster, dass durch die Gespräche zwischen deutschen Bischöfen und Kurie inzwischen eine Gegenseitigkeit entstanden sei. "Auch die Römer haben das Interesse, dass da keiner mit Gesichtsverlust rausgeht." Die Predigterlaubnis für Laien könnte ein erster Härtetest dafür werden, ob das auch für andere kontroverse Reformthemen des Synodalen Wegs gilt. Ein erneutes Veto des Vatikans – oder ein einfaches Wegignorieren der Frage – sind durchaus denkbar. Aber vielleicht haben sich ja auch hier die Zeiten geändert.

Von Christoph Brüwer

Der Autor

Christoph Brüwer ist Redakteur bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.