Standpunkt

Erwachsenentaufen: Wir können von Frankreich lernen!

Veröffentlicht am 31.03.2026 um 00:01 Uhr – Von Theresia Kamp – Lesedauer: 

Bonn ‐ Auch in diesem Jahr werden in Frankreich viele Erwachsene an Ostern getauft. Angesichts dessen lohnt sich ein Blick auf die Kirche dort, kommentiert Theresia Kamp. Aus diesem Weg könne man hierzulande lernen.

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Der französische "Taufboom" hält an: An Ostern sollen mehr als 13.000 Erwachsene und 8.000 Jugendliche getauft werden. Bei den Erwachsenen sind das 28 Prozent und bei den Jugendlichen 10 Prozent mehr als 2025. Es wird viel diskutiert, wie das Phänomen zu deuten ist. Jede Biographie ist einzigartig. Dennoch glaube ich: Es gibt Akzente in der französischen Kirche, von denen wir lernen können.

  1. Die französische Kirche wirkt bodenständiger und dadurch manchmal glaubwürdiger. Durch die Laizität hat sie viel weniger Geld zur Verfügung. Es geht einfach zu, aber manchmal ist gerade das Simple, Unaufgeregte das, was überzeugt. Zu einem Treffen in der Pfarrei bringt jeder etwas mit, es entsteht ein großes Buffet. Und die besten Gespräche finden sowieso immer beim gemeinsamen Abspülen in der Küche statt.
  2. Die französische Kirche versucht, das Leben des Einzelnen und die Ressourcen christlicher Spiritualität ganz praktisch miteinander zu verbinden. Als ich für diesen Text recherchiere, klicke ich auf die Seite der französischen Bischofskonferenz. Es erscheint ein Popup-Fenster zur Fastenzeit, das mich auf eine extra Seite einlädt: "den schönsten der christlichen Wege miterleben", mit einem Button, der meine Fragen dazu beantwortet.
  3. Der französische Katholizismus schafft es besser, Spiritualität und gelebte Nächstenliebe zu verbinden. Hier in Deutschland wird gern bei konservativ-charismatischen Aufbrüchen angeprangert, sie würden zu wenig soziales Engagement zeigen. Dagegen lautet der Vorwurf an die progressive Richtung, es gäbe nur sozialpolitische Aktionen, aber kaum Spiritualität. In Frankreich gehört beides selbstverständlich zusammen. Ich klicke auf den Button zur Fastenzeit und es werden mir verschiedene Facetten davon erklärt. Die allererste (!) lautet: "eine solidarische Fastenzeit leben". Ich erhalte den Impuls, mich zum Beispiel für eine soziale Organisation zu engagieren oder eine kranke Person zu besuchen.

Natürlich sind diese Punkte kein Patentrezept, um eine Trendwende von einem Tag auf den anderen herbeizuführen. Aber es sind vielleicht kleine Impulse bei der Suche nach dem Weg, den der Heilige Geist auch mit der Kirche in Deutschland gehen könnte.

Von Theresia Kamp

Die Autorin

Theresia Kamp hat Theologie und Romanistik studiert. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Pastoraltheologie an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt und schreibt regelmäßig für verschiedene christliche Medien.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.