Bereits mehrfach gewarnt

Bischof Feige: Kirchen werden von AfD unter Druck gesetzt

Veröffentlicht am 29.05.2026 um 15:10 Uhr – Lesedauer: 

München ‐ Als junger Priester in der DDR hat der heutige Magdeburger Bischof Gerhard Feige ein kirchenfeindliches Regime erlebt. Derzeit sieht er in Sachsen-Anhalt die Kirchen erneut angegriffen – nun von der AfD.

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Der Umgang der DDR-Diktatur mit den Kirchen und jener der AfD mit diesen lässt sich nach den Worten des Bischofs von Magdeburg, Gerhard Feige, nicht direkt vergleichen. Die aktuelle Lage beschrieb der 74-jährige Kirchenmann, der in der DDR aufgewachsen ist, der "Süddeutschen Zeitung" folgendermaßen: "Wir werden beschimpft, lächerlich gemacht und unter Druck gesetzt." Er bekomme zum Teil unverschämte E-Mails und Briefe, anonym, aber auch mit Klarnamen.

"Während die AfD versucht, christliche Werte zu vereinnahmen und zu instrumentalisieren, und gleichzeitig uns Kirchen als von Gott abgefallen diffamiert, war das DDR-Regime dagegen unverhohlen atheistisch geprägt", sagte Feige. Die AfD vermittle mit ihrer Drohung, Staatsleistungen für die Amtskirchen streichen zu wollen, zugleich den Eindruck, als ob man diese domestizieren wollte.

Menschen folgen markigen Parolen

"Wenn wir artig sind, bekommen wir Geld. Und wenn wir andere Positionen beziehen als die AfD, dann nichts oder weniger", fasste der Bischof zusammen. Die Kirchen würden von dieser Partei als Teil des Establishments bekämpft. Den Grund für die hohen Zustimmungswerte der AfD in Sachsen-Anhalt sieht Feige darin, dass beispielsweise die Wirtschaftslage, Corona und die Impfdiskussion und der Krieg in der Ukraine die Menschen verunsichert hätten. Sie suchten Halt und folgten markigen Parolen.

"Die AfD schafft es, den Bauch anzusprechen, die Instinkte und die Ängste", erklärte Feige. "Wir hingegen versuchen, dem mit rationalen Argumenten beizukommen, aber Hirn und Bauch, das trifft sich dann nicht." Im Moment herrsche eine schwierige politische und gesellschaftliche Lage. Politiker könnten natürlich keine Wunder vollbringen. "Aber wenn in Wirtschaft und Politik andere Lösungen zustande kämen, wäre auch die Stimmung eine andere. Wenn aber nur Parteiengezänk wahrgenommen wird, ist das ein Problem."

Kirche kann überall Wurzeln schlagen

"Die freiheitlich-pluralistische Demokratie ist insgesamt gewaltig in der Krise. Eine solche Staatsform bedeutet auch Unsicherheit und ist auf das Engagement vieler angewiesen", betonte der Bischof. Dennoch hofft er mit Blick auf die im September anstehende Landtagswahl in Sachsen-Anhalt immer noch, dass andere politische Lösungen zustande kommen und die Trendumfragen vielleicht am Ende nicht die Wahlwirklichkeit widerspiegeln. Feige machte aber klar: "Kirche ist nicht an bestimmte gesellschaftliche Verhältnisse gebunden. Sie kann in allen Situationen Wurzeln schlagen und versuchen, ihrer Sendung gerecht zu werden." (KNA)