Fürchte dich nicht – eine Haltung für Kirche und Gesellschaft
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"Fürchte dich nicht!" gehört zu den bekanntesten Sätzen der Bibel. Er begegnet den Hirten an Weihnachten, Maria bei der Verkündigung und vielen anderen Menschen, die vor einer ungewissen Zukunft stehen. Die Bibel kennt die Angst des Menschen. Sie leugnet sie nicht. Aber sie will ihr nicht das letzte Wort geben.
Auch heute begegnet uns der Appell, keine Angst zu haben. Er richtet sich gegen Einschüchterung, Hass und Resignation. Darin liegt eine deutliche Parallele zum biblischen "Fürchte dich nicht": Beide ermutigen dazu, sich nicht zurückzuziehen und nicht zu schweigen. Doch das biblische Wort geht weiter. Es ist nicht nur ein Aufruf mutig zu sein, sondern eine Zusage. Wer "Fürchte dich nicht" hört, dem wird gesagt: Du bist nicht allein. Gott geht mit. Die Angst verschwindet nicht, aber sie verliert ihre Macht.
Gerade für Frauen hat dieses Wort eine besondere Aktualität. Wer gelernt hat, vorsichtig zu sein, sich zurückzunehmen oder Widerstände zu erwarten, hört darin eine Ermutigung, sich nicht von Angst begrenzen zu lassen. "Fürchte dich nicht" kann der Zuspruch sein, die eigene Würde zu verteidigen, Verantwortung zu übernehmen und dort präsent zu sein, wo Entscheidungen getroffen werden.
Auch die Kirche muss sich daran messen lassen. Wer "Fürchte dich nicht" verkündet, darf Menschen nicht kleinhalten. Und unsere Gesellschaft braucht mehr Vertrauen als Angst. Die Krisen unserer Zeit werden nicht durch Abschottung gelöst, sondern durch Mut, Solidarität und die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen.
"Fürchte dich nicht" ist deshalb kein Trostspruch für schwierige Zeiten. Es ist eine Haltung. Für Christinnen und Christen gründet sie in der Zusage Gottes. Für eine demokratische Gesellschaft bleibt sie unverzichtbar. Denn Zukunft entsteht dort, wo Menschen trotz ihrer Ängste den Mut finden zu handeln.
Die Autorin
Friederike Frücht leitet die Abteilung Kommunikation der kfd und ist Chefredakteurin der Mitgliederzeitschrift Junia.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.
