Wie vergiftet ihr Lob für das Christentum ist, zeigt die AfD selbst
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Man könnte es katholische Mimikry nennen, was die AfD in Sachsen-Anhalt treibt. In ihrem "Regierungsprogramm" schreibt die als "gesichert rechtsextremistisch" eingestufte Landespartei zur Forderung, die Staatsleistungen an die Kirchen und andere "Privilegien" abzuschaffen: "Erst wenn die Kirchen unabhängig von staatlichen Geldzahlungen sind, können sie ihre positive Wirkung entfalten."
An anderer Stelle klingt das so: "Die von materiellen und politischen Lasten und Privilegien befreite Kirche kann sich besser und auf wahrhaft christliche Weise der ganzen Welt zuwenden, wirklich weltoffen sein." Der Sound ist anders, der Inhalt klingt ähnlich. Das zweite Zitat ist der "Freiburger Rede" Papst Benedikts XVI. von 2011 über die "Entweltlichung" der Kirche entnommen. Vermutlich ohne die Vorlage zu kennen, dockt die AfD an der Vorstellung an, die Sozialgestalt der Kirche in Deutschland stehe ihrem "eigentlichen" Auftrag im Weg. Das sollte zu denken geben.
Wie vergiftet das Lob für das Christentum als "wesentlicher Teil unserer europäischen Kultur" ist, legt das AfD-Programm, das hoffentlich nie Regierungspolitik wird, selbst offen. So soll der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt der Geldhahn zugedreht werden, weil das meiste ihrer Bildungsarbeit "politische Agitation" im Sinne der "Altparteien" sei – die unverhohlene Übernahme von NS-Vokabular. Förderung verdienen "Religion, Brauchtum und (echte) Kultur" nur noch, wenn sie in den nationalistisch verengten Kulturbegriff der AfD passen, der konfrontativ und ausschließend zu allem vermeintlich Undeutschen entwickelt wird.
Hier fällt die Maske der Christentümelei. Dahinter kommen Kirchenfeindschaft, die Verachtung christlicher Werte und ein seit 1945 in der Bundesrepublik nicht dagewesener Angriff auf die (Religions-)Freiheit zum Vorschein. Für Kirchenmitglieder und christliche AfD-Wähler, denen die drohende Gefahr geringer erscheint als die vermeintlichen Vorteile eines Endes der "Kirchensteuerkirchen", gilt, was der im AfD-Programm erwähnte Bertolt Brecht – ausgerechnet! – schon in den 1930er Jahren unüberbietbar sarkastisch aufgespießt hat:
"Hinter der Trommel her / trotten die Kälber
Das Fell für die Trommel / liefern sie selber."
Der Autor
Joachim Frank ist "DuMont"-Chefkorrespondent und Mitglied der Chefredaktion des "Kölner Stadt-Anzeiger". Außerdem ist er Vorsitzender der Gesellschaft Katholischer Publizistinnen und Publizisten Deutschlands (GKP).
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.
