Wie unterscheiden sich die Bischofskonferenzen beim Thema Migration?

Es waren Worte, die nicht ohne Folgen blieben: Javier Aizpún, Pfarrer der nordspanischen Gemeinde Huarte, bezeichnete die Migrantenbewegung von Marokko aus in die spanische Exklave Ceuta auf der Plattform "X" als "Invasion", erklärte Spaniens Regierung als dem "Feind untertan" und forderte eine "Rückeroberung Marokkos". Kurze Zeit später löschte Aizpún seinen Kommentar und sein X-Konto. Der Erzbischof von Pamplona und Tudela, Florencio Roselló, entschuldigte sich öffentlich für die Worte des Pfarrers seiner Diözese. Die Äußerungen seien unangebracht, "insbesondere für einen Priester, der dazu berufen ist, ein Instrument von Gemeinschaft, Dialog und Versöhnung zu sein." Beide Aussagen geben einen Eindruck davon, dass die Kirche in Europa in Sachen Migration nicht mit einer Stimme spricht. Ein Blick auf die Bischofskonferenzen von Spanien, Deutschland, Frankreich und Polen.
Abgesehen von dem Priester, der abweicht, bedient sich die Kirche in Spanien vor allem der Sprache der Moral und verweist häufig auf die Worte verschiedener Päpste. Deutlich wird das zum Beispiel in dem 2024 veröffentlichten Grundlagendokument "Comunidades acogedoras y misioneras". In diesem wurde ein Leitfaden für den Umgang mit Migranten entworfen. Die Bischöfe und Priester sollen Orientierung in den vier Worten von Papst Franziskus finden, die er 2018 anlässlich des Welttags der Migranten sagte: aufnehmen, schützen, fördern und integrieren. In dem 59 Seiten langen Dokument wird Papst Franziskus insgesamt 32-mal erwähnt und aus seinen Texten und Ansprachen zitiert. Gerade zu den kirchlichen Welttagen der Migranten sprach das Kirchenoberhaupt häufig vom "Sein einer wahren missionarischen Kirche". Dazu kommen 13 Erwähnungen von Papst Johannes Paul II. und sechs von Papst Benedikt XVI. und ihren jeweiligen Ausführungen und Ideen.
Die Sprache der Bischöfe zeichnet sich durch Wortbilder aus, die christliche Werte sowie die spirituelle Dimension des menschlichen Handelns in den Mittelpunkt stellen. So sei die Integration von Migranten in die Kirche "eines der klarsten himmlischen Zeichen", und Projekte sind "Zeichen der Hoffnung" für die Kirche in Spanien. Familien, Personen und Situationen erfordern "die Nächstenliebe Christi" und die Seelsorge als auch der interreligiöse Dialog muss auf der Grundlage von "Nachbarschaft, einer Kultur der Begegnung und Nächstenliebe" bestehen. Der Auftrag als "missionarische" Kirche ist klar und wird zwölfmal benannt. Auch andere kirchliche Werte werden in dem Dokument häufig argumentativ angebracht. Der Frieden wird 15-mal erwähnt, die Brüderlichkeit Jesu findet sich zwölfmal im Dokument wieder, auch die Hoffnung steht sieben Mal im Text.
Die deutschen Bischöfe sind deutlich politischer
Die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) veröffentlichte zusammen mit dem Rat der Evangelischen Kirche und mit der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen 2021 das ökumenische Dokument "Migration menschenwürdig gestalten". Darin wird deutlich: Im Gegensatz zu den Spaniern, die sich nur auf die Rolle der Kirchen und Gläubigen fokussierten, verbinden die deutschen Bischöfe Politik und Religion und bedienen sich so neben ethisch-moralischer vor allem politischer Sprache. So behandelt etwas mehr als die Hälfte des 215 Seiten langen Dokuments die politischen und rechtlichen Handlungsfelder der Migrationspolitik in Deutschland und Europa, der Rest fokussiert sich auf das kirchliche Handeln sowie biblisch-theologische Perspektiven.
Migration wird für die Katholiken zwar ebenfalls als "Zeichen der Zeit" verstanden, doch ein "schlichter Verweis oder Rückgriff auf biblische Normen genügt nicht, um den komplexen Migrationsherausforderungen heute ethisch gerecht zu werden oder gar Migrationspolitiken für das 21. Jahrhundert zu entwickeln", heißt es. Im Gegensatz zu heute fänden sich keine "Nationalstaaten, Staatsbürgerschaften und Pässe" in der Bibel, Grenzen seien Ausnahmen gewesen. Doch die Geschichten der Bibel eigneten sich zur Entwicklung einer zeitgerechten Sozialethik, so das Dokument. Jeder Mensch habe vor Gott "die gleiche Würde, den gleichen Wert und damit verbunden gleiche Rechte – und zwar ungeachtet seines Status in der Gesellschaft". Die zentrale politische Forderung der Integration findet sich 159-mal im Dokument, Nächsten- und Fremdenliebe als christlicher Orientierungswert dagegen lediglich 22-mal. Und auch die Päpste finden kaum Erwähnung: So stützt sich das Dokument zwar auch auf die Leitworte Papst Franziskus "aufnehmen, schützen, fördern, integrieren", jedoch wird er daneben nur ein weiteres Mal zitiert. Jedoch muss beachtet werden, dass es sich – anders als bei den Spaniern – um ein ökumenisches Dokument handelt.
Alle vier Bischofskonferenzen orientieren sich an den Leitworten von Papst Franziskus
Anders als die Spanier und Deutschen haben die Franzosen kein einheitliches Grundlagendokument. Dennoch veröffentlichen sie hin und wieder Positionspapiere, zum Beispiel zu den Welttagen des Migranten. 2023 äußerte sich die französische Bischofskonferenz auch zu einem damals diskutierten Einwanderungsgesetz des Parlaments. Die französischen Bischöfe bedienen sich dabei wie die Deutschen einer politischen Sprache. Jedoch verbinden sie diese kaum mit theologischen Begriffen. Direkt zu Beginn beziehen sie sich auf Papst Franziskus, der im gleichen Zeitraum Frankreich besuchte. Das Phänomen der Migration sei kein vorübergehender Notfall, sagte der Papst bei seinem Besuch. "Diejenigen, die in unserem Land Zuflucht suchen, sollten nicht als Last gesehen werden." Auch Papst Johannes Paul II. wird zitiert mit seiner Forderung einer einfacheren Integration.
In diesem Sinne, sagt die Bischofskonferenz, solle die Reform der Migrationspolitik vonstattengehen. Man solle der "Versuchung widerstehen, Migrationsfragen auf Sicherheits-, Terrorismus- oder Kriminalitätsfragen" zu reduzieren. Statt Migranten als "Bedrohung" wahrzunehmen, sollte ihre "Würde" im Vordergrund stehen. Menschen, die "bereits durch ihre Arbeit zum reibungslosen Ablauf unseres Landes beitragen", solle Schutz gewährt werden. Sie appellieren an die Politiker, weisen auf internationale Standards und Verfahren hin und erwähnen auch den Wirtschafts- und Klimawandel als Faktoren. Sie erinnern an die Lehre der Kirche, dass Migranten das Erbe des Gastlandes respektieren sollen, und sprechen erfolgreiche Integrationssituationen an. Abgesehen von der Würde, die zweimal im Text vorkommt, finden sich Begriffe wie "Menschlichkeit" oder "Brüderlichkeit" nur im Zitat von Papst Franziskus.
Die polnische Bischofskonferenz fordert eine Sprache des Respekts
Auch die polnische Bischofskonferenz besitzt nicht ein einzelnes Grundlagendokument, äußert sich jedoch hin und wieder in Positionspapieren zum Thema Migration. Die Bischöfe in Polen bedienen sich wie die in Spanien der Sprache der Moral, die der politischen Sprache überwiegt. Im Mai 2025 veröffentlichten sie ein Papier für den Europäischen Rat, in dem sie die moralische Sprache als Appell an die Politiker nutzten. Auch sie zitieren die Leitworte von Papst Franziskus "aufnehmen, schützen, fördern und integrieren" und betonen "die Liebe Gottes zu jedem Menschen" und die "unantastbare Würde" eines jeden Menschen.
Vor diesem Hintergrund solle eine Gemeinschaft aufgebaut werden, die auf "Solidarität und Respekt" basiert. Es sei wichtig, ein "gemeinsames Zuhause" zu bauen und dafür politisch zu einer Sprache des "Respekts, der Wahrheit und Sorge um das Gemeinwohl" zurückzukehren. Geflüchtete seien "evangelische Figuren eines geschlagenen und misshandelten Menschen", gegenüber dem man der "barmherzige Samariter" zu sein habe. Gleichzeitig erkennen die polnischen Bischöfe das "Recht des Staates" an, seine eigenen Grenzen zu schützen, und nehmen Staaten in die Pflicht, sich für die "Sicherheit seiner Bürger und öffentlicher Ordnung" einzusetzen. Sie betonen nicht nur, wie wichtig Integration in Sprache und Arbeitsmarkt ist, sondern fordern auch Ehrlichkeit und verlässliche Informationen, um ein friedliches Zusammenleben zu bilden. Letztlich rufen sie lediglich allgemein dazu auf, "auf der Seite des Evangeliums" zu stehen und den Worten von Papst Franziskus und Papst Leo XIV. zu folgen.
Nicht alle Bischofskonferenzen sahen bislang die Notwendigkeit, ein einheitliches Grundlagenpapier zu erstellen, und auch die Häufigkeit ihrer Äußerungen variiert. Dennoch lässt sich nach einem Überblick bilanzieren: auch, wenn die Bischofskonferenzen sich offiziell alle für Migranten einsetzen, unterscheiden sie sich in ihrem Sprachgebrauch und der Zielgruppe. Die spanischen Bischöfe setzen ebenso wie die polnischen auf die Sprache der Moral und wiederholen häufig christliche Werte wie "Würde", "Friede" oder "Barmherzigkeit". Während sich die Polen jedoch an die Politik wenden und auch die Aufgaben des Staates berücksichtigen (was wohl der migrationskritischen Stimmung im Land geschuldet ist), halten sich die Spanier deutlich allgemeiner. Deutschlands und Frankreichs Bischöfe fokussieren sich mehr auf die Nutzung politischer Sprache, die bei den Deutschen jedoch deutlich häufiger mit moralischer oder theologisch fundierter Sprache unterfüttert wird. Wörter wie "Nationalstaat", "Grenze" oder "Sicherheit" finden sich bei ihnen deutlich häufiger. Alle vier Bischofskonferenzen einen jedoch drei Aspekte: Zum einen pochen alle auf die Wahrung der Würde der Migranten, die ins Land kommen und zum anderen auf ihre erfolgreiche Integration in die Gesellschaft. Außerdem stehen die Leitworte von Papst Franziskus, die er 2018 zum Welttag der Migranten äußerte, bis heute im Fokus: aufnehmen, schützen, fördern und integrieren.