Kardinal Sarah: Ablehnung Alter Messe ist Generationenfrage der 68er
Kurienkardinal Robert Sarah (81) hält die Ablehnung der Tridentinischen Messe in der katholischen Kirche für ein vorübergehendes Phänomen. "Mir scheint es sich um eine Abneigung einiger selbstbezogener Kulturkreise zu handeln, die eher psychologischer Natur ist als wirklich begründet, und ich denke, dass es sich lediglich um ein Generationsproblem handelt", sagte er am Donnerstag der italienischen Zeitung "il Giornale". Er fügte hinzu: "Wenn die Generation der 68er einmal vergangen ist, werden auch diese unbegründeten Einseitigkeiten verschwinden."
Aus seiner Sicht nehmen immer mehr Menschen auch weite Wege in Kauf, um an einer Messfeier im alten, lateinischen Ritus teilzunehmen. Das könne er nur bewundern, sagte Sarah. "Wenn die Hierarchie wirklich in der Lage ist, die Zeichen der heutigen Zeit zu deuten - und nicht die von 1968, womit sie wieder einmal zu spät dran wäre -, dann können sich Räume für einen brüderlichen und friedlichen Dialog öffnen."
Keinen Krieg erklären
Die Kirche könne denen, die fromm an der Messe teilnehmen, "keinen Krieg erklären", weil sie eine Form einer anderen vorziehen. "Das ist eine kurzsichtige und völlig ideologische Haltung, also weder seelsorgerisch noch christlich. Sie ist schädlich und zerstörerisch für die Kirche", betonte der Kardinal.
Das Motu proprio "Traditionis Custodes" von Papst Franziskus hat laut Sarah die Bemühungen von Benedikt XVI. zunichte gemacht, "noch während der emeritierte Papst lebte".
Laut Sarah darf der Zugang "zu den anerkannten und seit Jahrhunderten bestehenden rituellen Formen" nicht eingeschränkt werden. Sein Argument: "Wenn ein Ritus dem Glauben nicht dienen würde, würde er von selbst verschwinden."
Dass Papst Benedikt XVI. 2007 die alte lateinische Messe wieder zugelassen habe, hatte laut Sarah den positiven Einfluss, Missbräuche bei der Feier in den Muttersprachen zu korrigieren. Benedikt XVI. habe "zutiefst demütig und demokratisch" gehandelt: "Er wollte eine möglichst breite Verbreitung gewährleisten, damit das Volk Gottes im Laufe der Jahrzehnte selbst entscheiden kann, welche Form der Umsetzung des Glaubens am besten entspricht."
"Benedikt XVI. ließ sich demütigen"
Papst Franziskus hatte mit dem Motu Proprio "Traditionis custodes" (Hüter der Tradition) im Jahr 2021 die Feier des alten Messritus wieder eingeschränkt. Er legte den ordentlichen Messritus als "einzige Ausdrucksweise" des Römischen Ritus fest, da der bisherige Gebrauch laut Franziskus zu viel Spaltung hervorgerufen habe.
"Traditionis Custodes" hat laut Sarah die Bemühungen von Benedikt XVI. zunichte gemacht, "noch während der emeritierte Papst lebte". Das sei weder weise noch respektvoll gewesen, betonte der Kardinal und ergänzte: "Aber Benedikt, ein Mann, sanftmütig wie ein Lamm, ließ sich demütigen und brachte so in Stille und Gebet sein Leiden Gott dar, um sich besser in den Schmerz Christi für seine Kirche hineinzuversetzen und sie zu reinigen." (KNA)
