Bonifatiuswerk: AfD-Pläne gefährden kirchliche Einrichtungen

Wenige Tage vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt am 6. September warnt das katholische Bonifatiuswerk vor paradoxen Wirkungen einer möglichen AfD-Regierung. Der Staat schneide sich ins eigene Fleisch, wenn staatliche Zuschüsse für kirchliche Einrichtungen gestrichen würden, sagte Bonifatiuswerk-Präsident Manfred Müller am Freitag in Paderborn. Denn dann werde das Gesamtgefüge aus Staatszuschuss, kirchlichen Mitteln, Spenden und kirchlichem Ehrenamt zusammenbrechen und der Staat müsse diese Einrichtungen selbst komplett finanzieren.
Müller warnt davor, die AfD-Pläne zu unterschätzen: "Die Vorhaben der AfD stellen eine Gefahr für soziale, karitative und kulturelle Einrichtungen dar." Die Kirchen unterhielten mit staatlichen Zuschüssen viele Schulen, Kindergärten sowie Jugendhilfeeinrichtungen und Bildungshäuser. "Diesen Einrichtungen – und damit eben auch vielen Spenden-Projekten – würde die finanzielle Grundlage entzogen, sollten die AfD-Pläne umgesetzt werden", bilanziert er. Auch ehrenamtliches Engagement in zahlreichen kirchlichen Einrichtungen könne so vor dem Aus stehen.
Die Wählerinnen und Wähler forderte Müller auf, keinen destruktiven Stimmungen zu folgen und nicht, wie es der Magdeburger Bischof Feige formuliert habe, "aus dem Bauch heraus ins Blaue hinein zu wählen". Wichtig sei vor der Wahl eine intensive Beschäftigung mit den Parteiprogrammen und deren Folgen für sich selbst und die Gesellschaft. Das Bonifatiuswerk unterstütze die Initiative "Bewusst wählen" der katholischen Kirche zur Landtagswahl.
AfD nur vorgeblich christlich
Ein Beispiel für das Engagement des Bonifatiuswerks ist die Wiedereröffnung eines kirchlichen Jugendzentrums in einem Plattenbauviertel in Magdeburg vor wenigen Wochen, dessen Sanierung vom Bonifatiuswerk mit 300.000 Euro gefördert wurde. Müller betonte, er habe den Eindruck gewonnen, dass die Stadt Magdeburg sehr dankbar für das Engagement der Kirche, der Ehrenamtlichen und der Spenderinnen und Spender des Bonifatiuswerkes gewesen sei.
Müller warnte, die AfD inszeniere sich zwar als christlichste Partei Deutschlands und als Hüterin der christlichen Werte, doch die völkisch-nationalistischen und rechtsextremen Positionen der Partei stünden "im eklatanten Widerspruch zu christlichen Werten". Viele Vorhaben der Partei seien außerdem nicht finanzierbar und würden der Wirtschaft schaden.
Das Bonifatiuswerk unterstützt als Hilfswerk für den Glauben und die Solidarität viele kirchliche und karitative Projekte – dort, wo Katholiken in der Minderheit leben – vor allem in Ostdeutschland. Nach Angaben des Hilfswerks werden mit Spenden aus ganz Deutschland unter anderem katholische Kindergärten, Religiöse Kinderwochen, soziale Einrichtungen und die gelben Boni-Busse finanziert, also gemeinwesenorientierte Projekte, die weit über die Grenzen der Kirche hinausreichen. Von 1990 bis heute hat das Bonifatiuswerk insgesamt mehr als 200 Millionen Euro für Projekte in Ostdeutschland zur Verfügung gestellt. (KNA)