Standpunkt

Der 1. September 1939 – ein erschütternd aktueller Tag

Veröffentlicht am 31.08.2026 um 00:01 Uhr – Von Christoph Strack – Lesedauer: 

Bonn ‐ Morgen vor 87 Jahren überfiel Hitler-Deutschland Polen, der Zweite Weltkrieg begann. Dieser Tag bleibt beständige Mahnung, kommentiert Christoph Strack – und ist bedrückend aktuell.

  • Teilen:

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Ob Schulabgänger in Deutschland, vielleicht auch jüngere Medienmacher mit dem Termin "1. September 1939" noch etwas verbinden? An diesem Tag griff Hitler-Deutschland Polen an. Damit begann der Zweite Weltkrieg (1939-1945), ein Grauen mit zigmillionen Toten – in den deutschen Vernichtungslagern, auf Schlachtfeldern, im Bombenkrieg.

Der Tag, in Deutschland kaum beachtet, bleibt beständige Mahnung. Eine bedrückend aktuelle Mahnung. Dieser Tag ist eben kein ritualisierter Gedenktag an vergangene Zeiten, von dem man Jahr für Jahr Staub abputzen muss.

2014 war ich zur Berichterstattung zum 75. Jahrestag des Kriegsbeginns in Danzig und auf der Westerplatte bei Danzig. Dort erinnerte der damalige Bundespräsident Joachim Gauck an den Kriegsbeginn durch Nazideutschland. Er sprach das entsetzliche Leid der Menschen in Polen an, das ihnen das Deutsche Reich aufgezwungen hatte, er nannte Polen ein "Laboratorium" für Hitlers Rassenwahn.

Aber Gauck wurde damals auch tagespolitisch. Er sprach den Angriff Russlands auf die Krim und damit auf die Ukraine Ende Februar 2014 an, wenige Monate zuvor: "Ja, es ist eine Tatsache: Stabilität und Frieden auf unserem Kontinent sind wieder in Gefahr."

Ein Satz, der zwölf Jahre später an Aktualität noch gewonnen hat. Als Papst Leo an diesem Sonntag in Castel Gandolfo seinem Angelus-Gebet in ruhigen Worten die Bitte "um Frieden" folgen ließ, klang das für mich mit an.

Der 1. September sollte die Verbundenheit Deutschlands zum polnischen Nachbarn stärken, eine Nachbarschaft, die zu wenig gepflegt wird. Aber der Tag ist auch Mahnung gegen den Irrsinn, mit Waffengewalt neue Realitäten schaffen zu wollen. "Die Geschichte lehrt uns, dass territoriale Zugeständnisse den Appetit von Aggressoren oft nur vergrößern", sagte Gauck auf der Westerplatte.

In diesen Tagen wird die Aggression Russlands gegen das ukrainische Volk, gerade gegen die Zivilbevölkerung wieder härter. Die Europäer ringen um Sanktionen, sie spüren, wie sehr sie schon getroffen sind von einer hybriden Bedrohung.

In drei Bundesländern stehen in diesen September-Wochen Landtagswahlen an. Eine Schande, dass Parteien an den extremen Rändern zu Russlands Aggression weithin schweigen – und gewählt werden.

Von Christoph Strack

Der Autor

Christoph Strack ist Fachredakteur der Deutschen Welle für Religion und Religionspolitik.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.