Ohne Kirchen(gebäude) geht es nicht

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Meine Kollegin Carina Adams forderte an dieser Stelle am Mittwoch: "Also schließt die Kirchen. Gebt sie ab. Machen wir uns frei für das, was unser Christsein wirklich ausmacht." Denn: "Gemeinschaft braucht kein halbleeres Gebäude und Verkündigung keine Kanzel."
Da möchte ich ihr entschieden widersprechen. Immer wieder ist die Rede davon, dass die Kirche in Menschen und nicht in Steine investieren sollte. Doch das ist zu kurz gedacht: Denn Gemeinschaft braucht Räume, sonst ist sie instabil. Ein Gottesdienst findet nicht im luftleeren Raum statt. Er braucht einen verlässlichen Ort, sonst geht die Bindungskraft verloren.
Unserer Gesellschaft fehlen mehr und mehr die sogenannten dritten Orte, in denen sich Menschen abseits von der Arbeit und dem eigenen Zuhause ohne große Hürden begegnen und austauschen können. Auch das führt dazu, dass unsere Gesellschaft auseinanderdriftet, verschiedene Gruppen den Kontakt zueinander verlieren, aus gegenseitiger Unkenntnis Ablehnung wird. Gerade in diesem Umfeld ist es wichtig, Räume der Communio zu haben, in denen gemeinsam geglaubt und gelebt wird. Eine Aufgabe, die gerade den Kirchen zukommt als Manifestation gelebter Nächstenliebe.
Zudem ist die Aufgabe von Kirchen der einfachste Weg. Der Unterhalt einer Kirche ist teuer, also macht man sie zu – so dürfen Ökonomen denken, Menschen der Kirche sollten darüber hinausgehen. Viel sinn- und wertvoller für Kirche und Gesellschaft ist es, Kirchen neu und weiter zu nutzen, sodass sie in einer neuen Zeit Räume für alle sein können. Gemeinde sein, das bedeutet dann, über den Tellerrand der eigenen Konfession und Religion zu schauen und die Nachbarschaft und Bürgerschaft mit an den Tisch zu setzen, wenn es heißt, Räume langfristig zu sichern. Das dauert, aber es lohnt. Warum daraus nicht einen geistlichen Prozess machen, in dem alle gemeinsam wachsen können, Glaubende, anders und nicht Glaubende?
Wir sollten Kirchen nicht als Last aus Stein abtun, sondern sie zum Stein des Anstoßes machen – für die Kirche selbst und darüber hinaus.
Der Autor
Christoph Paul Hartmann ist Redakteur bei katholisch.de.Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.