Wohnraum ist Menschenrecht, kein Spekulationsobjekt
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Die Verluste, so das betroffene Bistum, sind abgeschrieben. Dass zu den Anlegern, die beim Crash windiger Immobilienfonds Millionen versenkt haben, neben Krankenkassen und Ärztevereinigungen auch die Kirchen gehörten, war kaum mehr als eine Randnotiz. Hätte der Fonds eine fette Rendite erwirtschaftet, wären die Anteilseigner zufrieden gewesen. Und darin liegt der eigentliche Skandal.
Besonders in Städten und ihren Speckgürteln ist bezahlbarer Wohnraum praktisch nicht mehr vorhanden. Die Mieten in Deutschland steigen jedes Jahr, einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) zufolge 2026 im Bundesdurchschnitt um vier Prozent. Ein konkretes Beispiel: In Köln, wo der Mietpreis gegenüber 2025 um rund acht Prozent gestiegen ist, zahle ich für das abgeranzte Studentenzimmer meiner Tochter in einer Dreier-WG inzwischen 600 Euro. Weil vor allem die geringen Einkommen nicht steigen, ist Wohnen mittlerweile ein Armutsrisiko. Betroffen sind Rentner, alleinerziehende Mütter und Arbeiterinnen im Niedriglohnsektor. Wer nicht mehr mitkommt auf dem Mietmarkt, landet auf der Straße. Weit mehr als eine Million Menschen in Deutschland sind wohnungslos, Tendenz steigend.
Für diese unmenschliche Entwicklung gibt es viele Ursachen. Schuld daran sind in nicht unerheblichem Maße die Immobilienfonds, auch die vermeintlich seriösen. Sie versprechen ihren Anlegern eine stabile, risikoarme Rendite über dem Inflationsniveau. Das bedeutet: mindestens drei Prozent. Wo Bodenpreise und Wohnraum durch Investoren marktorientiert und kommerzialisiert werden, müssen die Mieten permanent steigen, um diese Renditeerwartung der Anleger zu befriedigen.
Und die Kirchen mischen dabei kräftig mit. Auf der Basis der mit dem ZdK erarbeiteten Empfehlungen zum ethisch-nachhaltigen Investieren erlauben viele Bistümer den Kirchengemeinden die Anlage von bis zu 30 Prozent ihres Vermögens in Immobilienfonds und empfehlen diese Anlage als besonders nachhaltig. Ausgeschlossen sind Pornografie und Glücksspiel in Gewerbeimmobilien, der ethisch fragwürdige Invest in die mietpreistreibenden Wohnimmobilienfonds aber nicht. Das muss sich ändern. Denn Wohnraum ist Menschenrecht, kein Spekulationsobjekt.
Der Autor
Dominik Blum ist Pfarrbeauftragter in der Katholischen Pfarreiengemeinschaft Artland im Bistum Osnabrück.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.
