Bischof Wilmer fordert mehr Versöhnungswillen gegen Polarisierung

Die zunehmende gesellschaftliche Polarisierung lässt sich laut Bischof Heiner Wilmer nur mit mehr Versöhnungswillen überwinden. "Wir brauchen kein verhärtetes Ost gegen West, kein Rechts gegen Links, kein Alt gegen Jung oder Christlich gegen Muslimisch", sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz am Samstag in der Dresdner Hofkirche. "Wo Menschen, die versöhnen, überzeugen, werden sie Mehrheiten erhalten und die Pöbler und Populisten von den Sitzen verdrängen." Der Bischof von Münster rief dazu auf, im Anderen das Gute zu suchen und zu vergeben, wo Fehler passierten.
"Es ist eure Freiheit, die Polarisierungen nicht weiterzutreiben, sondern Versöhnung zu stiften", so Wilmer weiter. Kein Staat könne Versöhnung von sich aus stiften, sondern brauche Menschen, die anderen sagten: "Ich vergebe und bitte um Vergebung." Und es brauche Orte, wo Freude und Hoffnung, Klage und Trauer Platz hätten.
Der Münsteraner Bischof hob hervor, dass Christen aus ihrem Glauben heraus Brücken schlagen könnten. Christlicher Glaube suche Güte, Demut, Gelassenheit, Vergebung und Frieden, ergänzt durch die Tugenden Glaube, Liebe und Hoffnung. "Der aufrechte Gang für Christus kann ein Verächtlichmachen bis hin zu spürbaren Nachteilen zur Folge haben. Aber er kann auch die Kraft haben, ein Land zu verändern", sagte Wilmer.
Ost-West-Debatten zunehmend schriller
Das sei auch dort möglich, wo Christen in der Minderheit sind. So hätten die Kirchen in der DDR 1989 Raum gegeben, dass sich Freiheit ihren Weg bahnen konnte. Der Bischofskonferenz-Vorsitzende äußerte sich im Festgottesdienst zur Verabschiedung des Bischofs von Dresden-Meißen, Heinrich Timmerevers (74), in den Ruhestand.
Wilmer konstatierte, dass der Ton in Ost-West-Debatten "zunehmend schriller" werde, verbunden mit wechselseitigen Schuldzuweisungen. Seines Erachtens weist das auf eine "Sehnsucht nach Identität" hin: "Zu viele Erfahrungen wurden in beiden Teilen der heutigen Republik anders gemacht, als dass ein Zusammenwachsen einfach so gelänge." Weiter führte er aus: "Wir können uns noch so oft die Unterschiede in der Prägung verdeutlichen, die verschiedenen Erfahrungen erzählen. Emotional nachvollziehen wird man sie nur können, wenn man sie selbst erlebt hat." (KNA)