Standpunkt

Nach dem AfD-Sieg muss die Kirche präsenter sein

Veröffentlicht am 07.09.2026 um 00:01 Uhr – Von Dirk Bingener – Lesedauer: 

Aachen ‐ Die Kirche hat viel getan, konnte den Sieg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt aber nicht verhindern, kommentiert Dirk Bingener. Daraus müsse die Kirche lernen, näher bei den Menschen zu sein.

  • Teilen:

HTML-Elemente (z.B. Videos) sind ausgeblendet. Zum Einblenden der Elemente aktivieren Sie hier die entsprechenden Cookies.

Nun ist es so gekommen, wie es die Prognosen vorhergesagt haben. Die AfD ist mit Abstand Wahlsieger in Sachsen-Anhalt. An Mahnungen und guten Argumenten hat es im Vorfeld nicht gemangelt. Das Bistum Magdeburg hat mit großem Einsatz bei Wählerinnen und Wählern für Werte wie Nächstenliebe, Solidarität und Menschenwürde geworben.

Dass all dieser Einsatz den Wahlsieg der AfD nicht verhindern konnte, mag viele Gründe haben. Dazu gehört sicher auch, dass die katholische Kirche in Ostdeutschland in einer Minderheitsposition ist. Dennoch gebührt all denen, die sich engagiert und dafür manche Anfeindung ausgehalten haben, Anerkennung und Dank. Nicht zuletzt Bischof Feige hat durch seine authentische und klare Art vielen Orientierung gegeben.

Zu den Erklärungen für das Wahlergebnis gehört auch, dass sich Menschen allein gelassen fühlen. Der Staat, Parteien, wichtige Bereiche der öffentlichen Daseinsvorsorge und zivilgesellschaftliches Engagement werden oft als wenig präsent erlebt. Für die Kirche in Deutschland stellt sich deshalb generell die Frage, was ihr Beitrag in solchen Situationen ist.

Es klingt paradox: Gerade in Zeiten von Kirchenschließungen, Sparzwängen und Rückzug braucht es eine verstärkte Präsenz. Strukturprozesse und ihre Protagonisten neigen oft dazu, von oben zu denken. Die eigentlichen Expertinnen und Experten aber sitzen vor Ort. Dort zeigt sich, ob Reformen etwas taugen. Entscheidend ist, ob eine Kirche möglich wird, die im Alltag präsent ist, Nähe schafft, Themen aufnimmt, die Menschen bewegen, und die sie darin unterstützt, den Glauben auf ihre Weise zu leben. Alles Aufgesetzte gilt es zu vermeiden, alles Lebendige und in der Praxis Bewährte zu fördern.

Eine Lehre aus diesem Wahlergebnis muss deshalb sein, dass Ordinariate, Verbände, Hilfswerke und kirchliche Einrichtungen ihr Handeln daraufhin überprüfen, ob es wirklich "radikal" gedacht ist – im ursprünglichen Sinn: von der Wurzel her, von unten. Die entscheidende Frage ist, wie Kirche vor Ort präsent und nützlich sein kann und wie sich dieses Engagement bestmöglich fördern lässt.

Von Dirk Bingener

Der Autor

Pfarrer Dirk Bingener ist Präsident des Internationalen Katholischen Hilfswerkes missio Aachen und des Kindermissionswerkes "Die Sternsinger" in Aachen.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.