DBK-Vorsitzender Wilmer: Christlicher Lebensschutz gilt jedem Menschen

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Bischof Heiner Wilmer, sieht den "Marsch für das Leben", der an diesem Samstag zeitgleich in Berlin und Köln stattfindet, als Erinnerung an "eine grundlegende Aufgabe jeder Gesellschaft: Menschliches Leben in allen seinen Phasen zu achten, zu schützen und zu fördern". Gerade dort, wo Leben verletzlich sei, wo Menschen keine Stimme hätten oder ihr Existenzrecht infrage gestellt werde, zeige sich, "wie ernst wir es mit der Menschenwürde meinen", schreibt Wilmer in einem am Montag veröffentlichten Grußwort für die Veranstaltung.
Der "Marsch für das Leben" lenke die Aufmerksamkeit auf Menschen, deren Leben nicht geachtet, anerkannt oder als weniger schützenswert angesehen werde, so Wilmer weiter. "Dabei bleibt der Einsatz für das Leben nicht bei einzelnen Fragen stehen. Papst Leo XIV. hat dies in bemerkenswerter Klarheit zum Ausdruck gebracht: 'Jemand, der sagt: 'Ich bin gegen Abtreibung, aber ich bin für die Todesstrafe', ist nicht wirklich für das Leben.' Wer für das Leben eintritt, muss deshalb das Ganze im Blick behalten", schreibt der DBK-Vorsitzende. Dazu gehöre der Schutz ungeborener Kinder ebenso wie die Sorge um kranke und alte Menschen, die Begleitung Sterbender, die Ablehnung der Todesstrafe, die Unterstützung von Menschen in Not sowie das Eintreten für Frieden und Versöhnung.
Wilmer: Menschen bei Lebensschutz nicht gegeneinander ausspielen
Der DBK-Vorsitzende mahnte "gerade deshalb" Wachsamkeit an: "Wer menschliches Leben schützen will, kann nicht gleichzeitig Menschen gegeneinander ausspielen, ausgrenzen oder ihre Würde relativieren. Christlicher Lebensschutz gilt jedem Menschen und kennt weder eine Rangordnung menschlichen Lebens noch die Unterscheidung zwischen wertvollem und weniger wertvollem Leben." Das christliche Ja zum Leben sei daher immer auch ein Ja zu einer solidarischen Gesellschaft. Eine Gesellschaft sei dann human, wenn sie dem ungeborenen Leben Raum gebe, Lasten gemeinsam trage und niemanden allein lasse.
Der "Marsch für das Leben" wird vom Bundesverband Lebensrecht (BVL) organisiert und findet laut dessen Angaben seit 2002 jeweils am dritten Samstag im September in Berlin und seit wenigen Jahren parallel auch in Köln statt. Nach Angaben des Verbandes ist der Marsch "die größte deutsche Pro Life-Veranstaltung", die Themen wie Leihmutterschaft, assistierten Suizid, vorgeburtliche Bluttests oder Abtreibung "einmal im Jahr mit einem großen Bekenntnis zur universalen Menschenwürde in die Öffentlichkeit" bringt. In diesem Jahr nehmen den Angaben zufolge drei deutsche Bischöfe an dem Marsch teil: Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer, der Regensburger Weihbischof Josef Graf und Eichstätts emeritierter Bischof Gregor Maria Hanke. Innerhalb der katholischen Kirche ist die Veranstaltung jedoch umstritten. Kritiker wie der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) beklagen etwa, dass auch rechtsextreme Aktivisten an dem Marsch teilnehmen. (stz)