Von Protesten begleitet: Tausende Menschen beim "Marsch für das Leben"

Gegen Abtreibungen und Beihilfe zum Suizid sind am Samstag in Berlin und Köln Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Der sogenannte Marsch für das Leben startete in beiden Städten am Mittag. Laut Berliner Polizei schlossen sich rund 2.200 Menschen der Demonstration an. 1.150 Beamte aus mehreren Bundesländern waren im Einsatz. Der Bundesverband Lebensrecht als Veranstalter sprach von 4.200 Teilnehmern in Berlin und 2.100 Teilnehmern in Köln. Die Kölner Polizei machte keine Angaben dazu.
Auch Bischöfe wie der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer und der Passauer Bischof Stefan Oster nahmen teil. Oster sagte dem "Passauer Bistumsblatt", dass die Kirche "Hüter der menschlichen Person und ihrer Würde" sein müsse.
In beiden Städten kam es zu Protesten gegen die Veranstaltungen. In Berlin forderte das Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung eine Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen. Der Demonstrationszug wurde immer wieder von Pfiffen und Buhrufen begleitet. Protestierende riefen etwa "My body, my choice, raise your voice" ("Mein Körper, meine Entscheidung, erhebe deine Stimme"). Aus dem "Marsch für das Leben" heraus wurde dies mit "Pro Life"-Rufen ("Für das Leben") erwidert.
Polizei verhindert Protestaktion
In Deutschland ist ein Schwangerschaftsabbruch laut Paragraf 218 des Strafgesetzbuches grundsätzlich rechtswidrig. Er bleibt aber bis zur zwölften Schwangerschaftswoche straffrei, wenn vor dem Eingriff eine Beratung stattgefunden hat und seit der Beratung mindestens drei Tage vergangen sind. Bei Gefahr für die Gesundheit der Schwangeren bleibt der Schwangerschaftsabbruch ebenfalls straffrei.
In Köln hatte das Bündnis "Pro Choice Köln" zu Protesten aufgerufen. Nach Angaben der Polizei verliefen die Demonstrationen jeweils weitgehend friedlich. Nur vereinzelt sei es zu kleineren Zwischenfällen gekommen. In Berlin verhinderten Einsatzkräfte entlang der Route, dass Gegner des "Marsches für das Leben" am Universitätsklinikum Charité ein Transparent vom Dach eines Übergangs über die Straße entrollten.
Spendete in Berlin einen Reisesegen: der emeritierte Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke.
Der "Marsch für das Leben" findet laut Bundesverband Lebensrecht seit 2002 in Berlin statt. Die parallele Demonstration in Köln gibt es seit 2023. Die Veranstalter wählen in der Regel einen Termin rund um den Weltkindertag am 20. September.
Der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende der Seniorenunion, Hubert Hüppe, wandte sich bei der Demonstration in Berlin gegen vorgeburtliche Bluttests zur Bestimmung der Chromosomenstörungen Trisomie 13, 18 und 21. Diese dienten nur der Selektion von Menschen mit Downsyndrom. Die Vorsitzende der Aktion "Lebensrecht für Alle", Cornelia Kaminski, forderte ein internationales Verbot der Leihmutterschaft.
Bischöfe mit Grußworten und Segen
Mehrere Bischöfe sandten im Vorfeld der diesjährigen Demonstrationen Grußworte, darunter der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki. Der frühere Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke spendete am Ende in Berlin einen Reisesegen.
Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Heiner Wilmer, hatte im Vorfeld in einem Grußwort erklärt: "Wer menschliches Leben schützen will, kann nicht gleichzeitig Menschen gegeneinander ausspielen, ausgrenzen oder ihre Würde relativieren." Zur Menschenwürde gehörten der Schutz ungeborener Kinder ebenso wie die Sorge um kranke und alte Menschen, die Begleitung Sterbender, die Ablehnung der Todesstrafe, die Unterstützung von Menschen in Not sowie das Eintreten für Frieden und Versöhnung.
Innerhalb der katholischen Kirche ist der "Marsch für das Leben" umstritten, unter anderem, weil in der Vergangenheit teils rechtsextreme Aktivisten und AfD-Vertreter wie Beatrix von Storch bei den Demonstrationen mitliefen. (KNA)