Was beim Papstbesuch nicht zu sehen sein wird
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Zum Besuch von Papst Leo XIV. in Frankreich wird es eindrucksvolle Bilder geben. Paris, Lourdes und Metz werden sich von ihrer schönsten Seite zeigen und in großen Gottesdiensten ein Fest des Glaubens feiern. Bemerkenswert am Rande dieses Besuchs ist, was bewusst nicht zu sehen sein wird: die Mosaike des ehemaligen Jesuiten Marko Rupnik, der in seinem Kunstatelier über Jahrzehnte Ordensfrauen mutmaßlich spirituell, psychisch und sexuell missbraucht hat. Während die kirchenrechtliche Untersuchung noch andauert, liegt über diesen Kunstwerken längst ein dunkler Schatten des Missbrauchs.
Im Marienwallfahrtsort Lourdes, wo viele Gläubige Heilung und Trost suchen, hat der Ortsbischof die Konsequenz gezogen. Schon länger wurden die Rupnik-Mosaike an der Fassade der Rosenkranzbasilika abends nicht mehr angestrahlt und bei Video-Übertragungen nicht gezeigt. Im Vorfeld des Papstbesuchs wurden sie jetzt dauerhaft abgedeckt und sollen langfristig durch andere Kunstwerke ersetzt werden. Damit will man vor allem jenen Betroffenen den Zugang zur Basilika von Lourdes ermöglichen, die sich bisher nicht in der Lage sahen, ihre Schwelle zu überschreiten.
Im weiteren Reiseprogramm des Papstes bleibt auch die von Rupnik gestaltete Kapelle in der Nuntiatur in Paris bewusst ausgespart. Der Heilige Stuhl selbst hat derartige Bildmotive schon im Juni 2025 von seiner Website und aus der Print-Kommunikation getilgt. Solche Signale zur konsequenten Aufarbeitung von Missbrauch sind in der Weltkirche längst nicht überall gern gesehen; im Marienheiligtum in Fatima, bei Padre Pio in San Giovanni Rotondo, in der Wallfahrtskirche St. Johannes Paul II. in Krakow-Łagiewniki oder im brasilianischen Aparecida sieht man keine Notwendigkeit, die Bilder Rupniks zu entfernen – als ließe sich die künstlerische Kreativität eines Täters von seiner kriminellen Biographie sauber trennen.
Umso beachtlicher ist die Entscheidung von Lourdes, denn dort hat man sich der eigentlichen und unbequemen Frage gestellt: Was schuldet ein Wallfahrtort den Menschen, die dort beten, hoffen und Heilung suchen? – Nichts mehr als Glaub-Würdigkeit.
Die Autorin
Schwester Dr. Gabriela Zinkl SMCB ist Ordensschwester bei den Borromäerinnen, promovierte Theologin (Kirchenrecht) und in der Ordensleitung in Kloster Grafschaft.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.
