Standpunkt

Organspende muss einfacher werden

Veröffentlicht am 25.09.2026 um 00:01 Uhr – Von Christof Haverkamp – Lesedauer: 

Bonn ‐ In der Debatte um die Organspende befürworten die großen Religionen aus guten Gründen das bestehende Modell, betont Christof Haverkamp. Doch die Registrierung müsse dringend vereinfacht werden.

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Klar ist: So kann es nicht bleiben. Jedes Jahr sterben in Deutschland Schwerkranke auf der Warteliste – sie bekommen nicht rechtzeitig ein Spenderorgan. Im vergangenen Jahr gab es nur 985 Organspenderinnen und -spender, während 8.199 Patientinnen und Patienten auf eine Organtransplantation warteten. Diese Zahlen sind dramatisch.

Die Politik muss daher dringend handeln. Gestern hat der Deutsche Bundestag über eine künftige Regelung zur Organspende beraten, in erster Lesung, ohne zu entscheiden. Es ging erneut um zwei Modelle: um eine Widerspruchsregelung, bei der man aktiv seine Organspende ablehnen muss, und um die bisherige Entscheidungsregelung, bei der man seine Bereitschaft erklärt.

Der Bundestag diskutiert das Thema nicht zum ersten Mal. Vor sechs Jahren beschloss er ein Gesetz, um die geltende Entscheidungsregelung zur Organspende zu stärken. Es trat zum 1. März 2022 in Kraft, wirkte aber nicht. Die Registrierung als Spender ist zu kompliziert; das Organspendenregister und das Organspendentelefon kennen leider nur wenige.

Befürworter und Gegner sind sich einig: Es muss sich etwas ändern. Beide Seiten haben gewichtige Argumente, und wie so oft bei ethischen Fragen, bilden Abgeordnete fraktionsübergreifend Bündnisse. Der Antrag für die Widerspruchslösung findet 254 Unterstützer – weit mehr als der Antrag von 58 Parlamentariern für die bestehende freiwillige Organspende.

Auch Vertreter der großen Religionsgemeinschaften lehnen eine Widerspruchsregelung ab – Christen ebenso wie Juden und Muslime. Das ist bemerkenswert. Denn Schweigen als Zustimmung für eine Organspende zu werten ist ethisch problematisch. Wer aufgrund von Sprachbarrieren oder anderen Hürden seinen Willen nicht dokumentiert, sollte nicht allein deshalb zum Organspender werden.

Die Spendenbereitschaft muss anders steigen: durch weniger Bürokratie, bessere Aufklärung und gezielte Online-Kampagnen. Es wahrt die selbstbestimmte Entscheidung – und kann denen helfen, die sehnsüchtig auf eine Niere, Leber oder ein anderes Spenderorgan warten.

Von Christof Haverkamp

Der Autor

Christof Haverkamp ist Pressesprecher und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der katholischen Kirche in Bremen und Senderbeauftragter der katholischen Kirche bei Radio Bremen.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.