Täter kam aus Deutschland

Tödliche Messerattacke auf Priester: Kirche stellt sich gegen Hass

Veröffentlicht am 25.09.2026 um 11:20 Uhr – Lesedauer: 

Warschau ‐ Polen ist entsetzt über den tödlichen Angriff eines Ukrainers auf Priester und Gläubige in einem Kloster. Das Verbrechen eines einzelnen Menschen dürfe nicht zu Hass gegen Ukrainer führen, mahnen die Bischöfe.

  • Teilen:

Nach der tödlichen Messerattacke in einem polnischen Kloster warnt die katholische Kirche vor Feindseligkeit gegen Ukrainer und Ukrainerinnen. Polens Primas, Erzbischof Wojciech Polak (Foto oben), bat am Donnerstagabend eindringlich darum, "dass dieser kriminelle Akt eines einzelnen Menschen in unseren Herzen keinen Hass und keine Abneigung gegenüber unseren Schwestern und Brüdern aus der Ukraine hervorruft".

Ein 31-jähriger Ukrainer hatte nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft in der Benediktinerinnenabtei im ostpolnischen Jaroslaw einen Priester erstochen und vier weitere Personen teils lebensbedrohlich verletzt. Der Fall löste international Entsetzen aus.

Selenskyj: "Fürchterliches Verbrechen"

Auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und die römisch-katholischen Bischöfe der Ukraine verurteilten das Verbrechen und sprachen den Opfern und ihren Angehörigen ihr Mitgefühl aus. Sie stellten zugleich fest, dass der Täter ein ukrainischer Staatsbürger sei. "Jede solche Gewalttat sollte gerecht bestraft werden", schrieben die ukrainischen Bischöfe. Selenskyj sprach von einem "fürchterlichen Verbrechen".

Der Angreifer ging am Donnerstag den Ermittlern zufolge mit einem Messer, das er aus einer Küche im Kloster genommen hatte, auf drei Pfarrer und zwei Gläubige los. Er wurde noch am Tatort festgenommen. Ein Priester erlag in der Klinik seinen schweren Verletzungen. Ein Pfarrer konnte am Donnerstagabend aus dem Krankenhaus entlassen werden. Der Zustand des dritten Geistlichen gilt weiter als ernst. Er musste am Donnerstag zweimal notoperiert werden.

Täter kam aus Deutschland

Vizeinnenminister Czeslaw Mroczek erklärte, der Täter sei direkt vor seiner Messerattacke aus Deutschland nach Jaroslaw gekommen. Der Politiker kritisierte am Freitagmorgen in einem Radiointerview, dass Russland die Bluttat bereits für seine eigenen Zwecke ausnutze, Hass schüre und versuche, Polen dazu zu bringen, die Unterstützung für die Ukraine zu stoppen. Die Staatsanwaltschaft will den Täter an diesem Freitag vernehmen. Warum er das Verbrechen beging, ist bisher unklar.

Przemysls Erzbischof Adam Szal, in dessen Diözese die 35.000-Einwohner-Stadt Jaroslaw liegt, rief die Gläubigen für Samstag zu Gebeten in den Kirchen auf. "Bitten wir um die Gaben des Friedens, der Einheit und der Brüderlichkeit sowie um Besinnung für diejenigen, die menschliche Tragödien zu ihrem eigenen Vorteil ausnutzen oder zum Hass aufstacheln wollen", so Szal. (KNA)