Standpunkt

Die Kirche kann nicht immer nur Wege suchen – sie muss sie auch gehen!

Veröffentlicht am 30.09.2026 um 00:01 Uhr – Von Mario Trifunovic – Lesedauer: 

Bonn ‐ Papst Leo XIV. sieht die Kirche in Deutschland nicht vom Absterben bedroht. Stattdessen setzt er auf gemeinsames Suchen nach Antworten auf die Krise. Doch viele Wege sind längst bekannt, kommentiert Mario Trifunovic.

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Es gehört fast schon zum Alltag mancher, der katholischen Kirche in Deutschland das Absterben zu attestieren. Sinkende Mitgliederzahlen, leere Kirchen, weniger Priester und Pfarreien, die zusammengelegt werden. Für einige scheint dabei längst festzustehen: Das war's. Erst recht, wenn dann noch der "böse Zeitgeist" ins Spiel kommt oder die altbekannte Beschuldigung des immerwährenden Alleingangs.

Doch halt. So einfach ist es nicht. Auch Papst Leo XIV. teilt diese düstere Sicht nicht. Eher im Gegenteil: Trotz aller Probleme blickt er optimistisch auf die Kirche in Deutschland, wie er bei der "fliegenden Pressekonferenz" von Metz nach Rom erklärte. Mal keine Schelte aus Rom, könnte sich der ein oder andere denken, gerade wenn man sich an manche schroffe Bemerkung aus dem Pontifikat von Franziskus erinnert.

Die Krise – oder besser: die Krisen – leugnet das Kirchenoberhaupt dabei nicht. Bemerkenswerter ist aber etwas anderes: Leo will mit der Kirchenleitung in Deutschland gemeinsam nach Wegen suchen, um den Herausforderungen zu begegnen. Der Ton des Papstes trifft dabei auch den Ton der deutschen Bischöfe: "Wir kommen nur weiter, wenn wir gemeinsam unterwegs sind", sagte etwa der DBK-Vorsitzende Heiner Wilmer Ende August.

Oder Kardinal Reinhard Marx kürzlich im katholisch.de-Interview: "In einer synodalen Kirche trägt er [Anm. der Papst] Sorge dafür, dass viele den Weg der Kirche gemeinsam gehen können. Das ist Papst Leo ein großes Anliegen – und dazu braucht es gewiss auch Geduld."

Also? Weg mit den Untergangsprophezeiungen und Absterbefantasien in Bezug auf Deutschland. Die Ermunterung von (fast) "ganz oben" ist dabei allemal hilfreicher als Schelten, Stoppschilder, schroffe Anmerkungen oder die beinahe lustvolle Beschwörung des Untergangs aus gewissen innerkirchlichen Kreisen.

Doch eine Frage bleibt offen: Wie lange möchte man eigentlich noch nach Wegen suchen, wenn viele dieser Wege längst bekannt sind? Wenn Herausforderungen benannt, Vorschläge erarbeitet und Fragen auf Augenhöhe von Bischöfen und "Laien" beim Synodalen Weg in Deutschland diskutiert wurden? Irgendwann muss aus der gemeinsamen Suche auch gemeinsames Gehen werden.

Von Mario Trifunovic

Der Autor

Mario Trifunovic ist Redakteur bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.