Nachfolger von Matthias Ring

Überraschungskandidat zum alt-katholischen Bischof gewählt

Veröffentlicht am 03.10.2026 um 11:30 Uhr – Lesedauer: 

Karlsruhe ‐ Die alt-katholische Synode hat ihren neuen Bischof gewählt: Es ist keiner der beiden vorher bekannten Kandidaten – stattdessen ein alter Bekannter.

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Der neue Bischof der alt-katholischen Kirche steht fest: Die Wahlsynode hat am Samstag in Karlsruhe überraschend Jürgen Wenge zum Bischof des Bistums der Alt-Katholiken in Deutschland gewählt. Die beiden Kandidaten Robert Geßmann und Walter Jungbauer hatten bereits im ersten Wahlgang deutlich weniger Stimmen als der nun gewählte Bischof erhalten. Wenge ist damit der elfte Bischof des deutschen alt-katholischen Bistums. Die Weihe ist für den 20. Februar 2027 vorgesehen. Bis zur Bischofsweihe leitet Wenge die Diözese als Bistumsverweser.

Auf Wenge entfielen im zweiten Wahlgang 92 von 127 Stimmen. Damit erreichte er die nötigen 60 Prozent. Auf Walter Jungbauer entfielen 22 Stimmen, auf Robert Geßmann 8. Die amtierende Generalvikarin, die erklärt hatte, eine auf sie entfallende Wahl nicht anzunehmen, erhielt fünf Stimmen.

Der 63-jährige Wenge war bis jetzt Pfarrer der alt-katholischen Gemeinde in Köln. Von 2010 bis 2020 war er Generalvikar des alt-katholischen Bistums; von 2007 bis 2020 gehörte er der Synodalvertretung, der Kirchenleitung, an. 2009 war er einer von zwei Kandidaten, die ihre Bereitschaft zur Bischofswahl ausgesprochen hatten, unterlag in der Wahl aber Matthias Ring. Vor seinem Beitritt zur alt-katholischen Kirche war Wenge Priester des Bistums Münster. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Generalvikarin Anja Goller und der gewählte Bischof Jürgen Wenge
Bild: ©Alt-Katholische Kirche (Screenshot katholisch.de)

Generalvikarin Anja Goller überreichte dem gewählten Bischof Jürgen Wenge nach seiner Wahl das Bischofskreuz von Joseph Hubert Reinkens (1821–1996), dem ersten Bischof des deutschen alt-katholischen Bistums.

Die Wahl Wenges ist eine Überraschung: Ursprünglich hatten nur die beiden Pfarrer Robert Geßmann und Walter Jungbauer die Bereitschaft erklärt, eine auf sie entfallende Wahl der Synode anzunehmen. Das Wahlverfahren sieht vor, dass alle wählbaren Priesterinnen und Priester unabhängig von ihrer Bereitschaft auf dem Stimmzettel stehen. Im ersten Wahlgang erhielten die beiden Kandidaten 14 (Geßmann) und 24 (Jungbauer) Stimmen, während Wenge 61 Stimmen erhielt. Der Kölner Pfarrer erklärte sich daraufhin zu einer Kandidatur bereit: In den vergangenen Tagen und Wochen hätten ihn viele Kirchenmitglieder auf die Wahl angesprochen. Er habe sich dafür entschieden, dann zur Verfügung zu stehen, wenn er im ersten Wahlgang eine große Zahl an Stimmen erhalten würde. Öffentlich bekannt war seine Bereitschaft vor seiner Erklärung nach dem ersten Wahlgang nicht.

Bischöflich-synodale Kirchenverfassung

Die Bischofswahl wurde nötig, nachdem Bischof Matthias Ring Anfang September mit Erreichen des Rentenalters sein Amt niedergelegt hatte. Der Bischof wird durch die Synode gewählt. Gewählt werden können gemäß der aktuellen Synodal- und Gemeindeordnung Priesterinnen und Priester, die als Pfarrer oder Pfarrerin gewählt werden können, wenigstens fünf Jahre in der alt-katholischen Seelsorge oder als Lehrende der alt-katholischen Theologie tätig sind, ein Mindestalter von 35 Jahren erreicht haben, über die nötige wissenschaftlich-theologische Qualifikation verfügen und die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen. Aufgrund der bischöflich-synodalen Struktur der alt-katholischen Kirche haben ihre Bischöfe nicht dieselben Vollmachten wie römisch-katholische Bischöfe. Sie leiten das Bistum gemeinsam mit einer auf Zeit gewählten Synodalvertretung. Dienstsitz des Bischofs oder der Bischöfin ist Bonn.

Die alt-katholische Kirche in Deutschland entstand in den 1870er-Jahren in Abgrenzung zu den Beschlüssen des Ersten Vatikanischen Konzils (1869–1870) zur Unfehlbarkeit und zum Jurisdiktionsprimat des Papstes. Zum deutschen Bistum gehören gut 16.000 Mitglieder in 60 Pfarrgemeinden. Seit 1994 können im deutschen Bistum Frauen zu allen Ämtern geweiht werden. Die ersten beiden Priesterinnen wurden 1996 geweiht. Die erste alt-katholische Bischöfin ist die 2023 gewählte und geweihte Maria Kubin, die Bischöfin der Altkatholischen Kirche in Österreich ist. (fxn)

Ergänzung, 3. Oktober, 12.40 Uhr: Datum der Weihe steht nun fest.