Die Kirchen und die Krise der C-Parteien
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Die Klausurtagung des CDU- Präsidiums ist eine Krisensitzung. Es geht um das Selbstverständnis der Partei. Die Sorgenlage jetzt nur dem Parteivorsitzenden und Bundeskanzler anzulasten, wäre billig.
Eigentlich sollte es bei der Klausur um den Absturz bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern gehen. Nun kommt die Krise in Sachsen-Anhalt dazu. Und man spürt das Vorglühen jener, die gemeinsame Sache machen wollen mit der AfD. Es wäre das Ende einer C-Partei.
Für diese Erosion sind viele und vieles verantwortlich. Die Partei schwächelt in der Bodenhaftung. Man liest offenbar lieber fette Überschriften als Dokumente der C-Gründerzeit oder auch kirchliche Soziallehre. Die Abstimmung im Bundestag im Januar 2025 zur Asylpolitik, bei der die Union auf AfD-Stimmen baute, bleibt ein Sündenfall. Politik ist kein Strategiespiel, sondern Überzeugung. Zumindest auch.
Die Krise der CDU wirft auch noch einmal Licht auf die Entfremdung zwischen der Partei und der (katholischen) Kirche. Es ist in manchem CDU-Milieu modern geworden zu sagen, die Kirche und das ZdK wären grün angehaucht, nach links gerückt. Dann braucht man eigene Veränderungen ins rechte Unterholz nicht zu hinterfragen. Da war ausgemacht. Das "überrascht nicht, interessiert nicht" des Aufsteigers und jetzigen Bundesverkehrsministers Steffen Bilger bleibt ein Menetekel.
Aber wer steigt denn aus kirchlichem Milieu noch auf in der CDU? Wer interessiert sich denn auf Parteiseite noch für Katholikentage oder die Einwürfe kirchlicher Soziallehre? Es ließen sich durchaus Namen von guten Fachpolitikern mit kirchenverbandlichem Background aufzählen, die verloren gingen. Vielleicht waren sie zu leise im lauten Betrieb.
Den Kirchen kann das nicht egal sein. Die Union wie die Sozialdemokratie haben die Bundesrepublik politisch geprägt. Die Kirchen waren dabei Sozialpartner und kritisches Korrektiv und nicht nur Abnicker.
Umgekehrt gilt: Alle Kirchen sollten deutlicher sagen, dass auch parteipolitische Mitwirkung geboten ist. Der große Text der Bischöfe "Völkischer Nationalismus und Christentum sind unvereinbar" impliziert ein weiteres: "Wir brauchen (auch parteipolitisches) Engagement für das Gemeinwesen auf der Grundlage des christlichen Menschenbildes." Heute verschärft.
Der Autor
Christoph Strack ist Fachredakteur der Deutschen Welle für Religion und Religionspolitik.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.
