Gericht spricht Urteil

Ukraine: Bischof verkauft Laien Klerikerpapiere gegen Kriegsdienst

Veröffentlicht am 09.10.2026 um 12:35 Uhr – Lesedauer: 

Kiew ‐ Ein ukrainischer Bischof hat Landsleuten mit falschen Klerikerausweisen geholfen, dem Kriegsdienst zu entgehen. Für 2.000 Dollar bekamen sie Papiere, obwohl sie keine Geistlichen waren. Jetzt folgte ein mildes Urteil.

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Ein orthodoxer Bischof in der Ukraine hat 291 Wehrpflichtigen falsche Klerikerausweise und Weiheurkunden gegeben, damit sie vom Kriegsdienst in der ukrainischen Armee befreit werden. Für je 2.000 Dollar bescheinigte er den ukrainischen Männern, als Diakon tätig zu sein, obwohl sie tatsächlich gar keine Geistlichen waren, wie ein Gericht nun im westukrainischen Kalusch feststellte.

Es verurteilte den Bischof wegen Behinderung der Arbeit der ukrainischen Streitkräfte im Abwehrkampf gegen Russland nun zu drei Jahren Haft auf Bewährung. Der entsprechende Artikel des Strafgesetzbuchs sieht eigentlich fünf bis acht Jahre Haft vor. Als strafmildernde Umstände führt das Gericht in seinem Urteil an, der Angeklagte habe seine Schuld bekannt, aufrichtige Reue gezeigt und aktiv an der Aufklärung der Straftat mitgewirkt. Zudem habe er den ukrainischen Streitkräften umgerechnet knapp 10.000 Euro gespendet.

Eigene Stellung kriminell ausgenutzt

Kyrill Mychajljuk nutzte dem Urteil zufolge von Juni 2023 bis November 2025 mit "kriminellem Vorsatz" seine Stellung als Bischof der westlichsten Diözese der Orthodoxen Kirche der Ukraine aus, Uschhorod und Chust. Mit Hilfe seiner falschen Dokumente kamen die Männer im nationalen Register zur Wehrerfassung in die Kategorie Geistliche. Damit wurden sie weder zum Kriegsdienst eingezogen, noch mussten sie eine militärische Grundausbildung absolvieren. Der Bischof sprach in manchen Fällen auch persönlich mit der Militärverwaltung und belog sie, dass die Männer tatsächlich Geistliche seien. Dafür kassierte er laut Gericht extra Geld.

Die 2018 gegründete Orthodoxe Kirche der Ukraine (OKU) gilt im Gegensatz zur Ukrainisch-Orthodoxen Kirche (UOK) als ausgesprochen patriotisch. Die Regierung in Kiew fördert offen die OKU, während sie der UOK eine Nähe zu Moskau vorwirft und vor Gericht für ein Verbot einzelner Diözesen kämpft.

Mit 62 in den Ruhestand versetzt

Kritiker sehen im jetzigen Urteil eine besondere Milde gegenüber der OKU, obwohl der Bischof bei dem Betrug von einem kirchlichen Assistenten unterstützt wurde. Die Kirchenleitung hatte Mychajljuk im November wegen der Vorwürfe suspendiert; Anfang Februar wurde er mit 62 Jahren in den Ruhestand versetzt.

In der Ukraine ist die Zahlung von Bestechungsgeldern weit verbreitet, um nicht zum Kriegsdienst eingezogen zu werden. Präsident Wolodymyr Selenskyj berichtete 2023, dass Männer dafür bis zu 15.000 Euro Schmiergeld entrichteten. (KNA)