Amtsinhaberin tritt nicht nochmal an

Die Synode der EKD braucht einen neuen Präses

Veröffentlicht am 11.10.2026 um 12:30 Uhr – Von Benjamin Lassiwe (KNA) – Lesedauer: 

Hannover ‐ Der ehemalige Bundesminister Volker Wissing gilt als Favorit für das Amt des EKD-Synodenpräses. Doch noch ist vieles unklar. Bevor es zu einer Entscheidung kommt, muss noch einiges passieren.

  • Teilen:

Nun ist es offiziell: Ende vergangener Woche hat die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, Anna-Nicole Heinrich, angekündigt, dass sie für eine weitere Amtszeit nicht mehr zur Verfügung steht. Und sofort wurde ein Name wieder in die Debatte geworfen, den die "Katholische Nachrichten-Agentur" schon im Juli als möglichen Bewerber für das Amt an der Spitze des evangelischen Kirchenparlaments identifiziert hatte: Volker Wissing.

Der frühere FDP-Politiker, der nach dem Zerbrechen der Ampelkoalition sein Parteibuch abgegeben hatte, ist begeisterter Kirchenmusiker. Und er sieht die Bibel als "Quelle der Orientierung, des Rates und der Unterstützung". "Verantwortung" hat er ein Buch genannt, das nach seinem Ausscheiden aus dem Amt erschien, und das er im Frühjahr im Dialog mit der bisherigen Synodenpräses im Berliner Haus der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) vorgestellt hatte.

"Wenn Du Verantwortung übernimmst, kommst Du nicht durch Tricks davon", sagte er bei dieser Gelegenheit. "Man kann sich der Verantwortung nicht trickreich entziehen – das geht nicht." Aber ist es demnächst an Wissing, demnächst Verantwortung in der Leitung des evangelischen Kirchenparlaments zu übernehmen? Klar ist: Der oder die neue Präses wird auf der konstituierenden Tagung der Synode gewählt. Die soll im April 2027 stattfinden.

Delegierte müssen noch gewählt werden

Wer dann im Saal des Maritim-Hotels sitzt, entscheidet sich in den nächsten Wochen: Die Herbstsynoden der Landeskirchen sind dafür verantwortlich, die Delegierten für die EKD-Synode zu wählen. Und Wissing steht auf der Liste seiner Heimatkirche, der evangelischen Kirche der Pfalz: Anders als andere Politiker würde er im Falle einer Wahl nicht vom Rat der EKD in die Synode berufen, sondern hätte eine Landeskirche hinter sich.

Das gäbe ihm in der Synode besonderes Gewicht: Die Synodalen würden ihn stärker als einen der ihren wahrnehmen, der sich auch der Wahl durch ein Kirchenparlament stellen musste. Zudem gibt es in der EKD-Synode eine lange Tradition dafür, das Kirchenparlament von Politikerinnen und Politikern leiten zu lassen.

Der ehemalige Bundesminister Jürgen Schmude (SPD) etwa stand fast 20 Jahre an der Spitze des Kirchenparlaments, dessen erster Präses seinerzeit der spätere Bundespräsident Gustav Heinemann war. Und mit seinen Themen, dem Zusammenhalt in der Gesellschaft und der Zukunft der Demokratie trifft Wissing spätestens nach dem AfD-Wahlerfolg in Sachsen-Anhalt auch den Nerv der Zeit. Es werden diese Themen sein, die den deutschen Protestantismus in den nächsten Jahren maßgeblich beeinflussen.

Bild: ©picture alliance/epd-bild/Heike Lyding

Tritt nicht nochmal an: Anna-Nicole Heinrich

Im Frühjahr jedenfalls hatte Wissing eine größere Bereitschaft gefordert, in der Gesellschaft aufeinander zu hören. "Die ständige Abgrenzung der Parteien untereinander mag mit den Wahlkämpfen zu tun haben – aber wenn Abgrenzung zum Selbstzweck wird, wird es schwierig", sagte er. Ziel der Demokratie müsse es vielmehr sein, aus Unterschieden eine gemeinsame Sache zu machen. Ihn persönlich habe während der Ampelregierung schockiert, wie sehr die Freude am Brückenbauen und der Suche nach einem politischen Ausgleich abgenommen habe.

"Am Ende sollte das friedliche Miteinander doch das wichtigste Ziel der Politik sein." Wichtig war dem Liberalen dabei auch der individuelle Wert jedes Menschen. Man müsse erkennen, dass die Menschen unterschiedlich seien, und "Anders-sein" nichts Schlechtes sei und seine Berechtigung habe. Und bei allen Gesprächen sollte man dem anderen auch immer unterstellen, dass er recht haben könnte.

Nicht vorschnell festlegen

Vorschnell festlegen sollte man sich auf Wissing aber nicht. Denn in evangelischen Synoden gilt seit alters her der Grundsatz: "Der Heilige Geist weht, wann und wo er will." Auch wenn der frühere FDP-Minister der geborene Kandidat zu sein scheint, heißt das nicht, dass nicht auch andere geeignete Kandidaten von den Landessynoden in das bundesweite Kirchenparlament gewählt werden können.

Und es heißt auch nicht, dass die Mitglieder des Gremiums der Spekulation von Kirchenfunktionären und Journalisten folgen werden. Schon allzu oft sind Menschen, die als Kandidaten für irgendetwas zu einer Wahl in der Synode antraten, am Ende unverrichteter Dinge wieder nach Hause gefahren – die legendäre Ratswahlsynode in Ulm 2015, als das Kirchenparlament elf Wahlgänge benötigte, um es am Ende nicht zu schaffen, den Rat der EKD komplett zu besetzen, ist da vielen Protestanten noch in wenig guter Erinnerung.

Von Benjamin Lassiwe (KNA)