Wer vom Glauben redet, sollte mehr Musik hören
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Papst Franziskus hat in einem Brief allen, die vom Glauben sprechen, die Literatur zur Auseinandersetzung ans Herz gelegt. Ich möchte dazu die Musik der "entsakralisierten Popmoderne" (Nora Bossong) empfehlen, die auch "auf die eine oder andere Weise mit dem zu tun hat, was jeder von uns vom Leben wünscht, denn sie tritt in eine innige Beziehung zu unserer konkreten Existenz, mit ihren wesentlichen Spannungen, Wünschen und Bedeutungen".
Wer über das kirchlich heikle Thema spricht, wie schmal manchmal der Grat zwischen hetero und homo ist, sollte Danger Dan hören. Auf seinem politisch heiß diskutierten neuen Album "Keine Angst" sind vor allem die biografischen Titel, was die Süddeutsche Zeitung "radikal persönliche, schutzlose Kunst" nennt. In dem Song "Warum es nicht geklappt hat", erzählt der Sänger von seiner Beziehung zu einem Mann – zwischen falschem Timing und Angst vor den eigenen Gefühlen.
Über Sterben, Trauer und Erlösung zu sprechen, geht für mich im Moment nicht, ohne Sarah Leschs Versprechen "Ich kenne einen Ort" aus dem neuen Album "Poesie und Widerstand", ohne STOPPOKS schrägen Verabschiedungs-Song "Weg", der auf dem brandneuen "HOPPLA HOPPLA" zu finden ist. Auch Reinhard Mey singt auf seinem vielleicht letzten Album "Schatzhauser" von einer leisen Hoffnung angesichts der Frage: "Wo sind alle meine Freunde hin?" Das schönste "Gebet" der letzten Zeit habe ich auch bei Sarah Lesch gehört, die bekennt: "Ich bete sonst nur im Krieg".
Stopp, können Sie jetzt sagen, das sind ja nur religions- und christentumskritische Künstler. Stimmt. "Wie können wir zu den Herzen der Menschen sprechen, wenn wir die Worte, mit denen sie die Dramatik ihres Lebens und Fühlens (…) zum Ausdruck bringen wollten, ignorieren, verwerfen oder nicht würdigen?" Diese Künstler bringen zu Gehör, was Franziskus mit seinem Landsmann Jorge Luis Borges "die Stimme von jemandem" nennt. Sie bewahren uns "vor der Versuchung eines ohrenbetäubenden und fundamentalistischen Solipsismus (…), der darin besteht zu glauben, dass eine bestimmte kulturgeschichtliche Grammatik den ganzen Reichtum und die ganze Tiefe des Evangeliums auszudrücken vermag".
Heute vor 55 Jahren, am 12. Oktober 1971, wurde das Rock Musical "Jesus Christ Superstar" in New York uraufgeführt. Hören Sie Andrew Lloyd Webber, von mir aus auch Bach. Aber bitte auch Sarah Lesch und Danger Dan.
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Der Autor
Dominik Blum ist Pfarrbeauftragter in der Katholischen Pfarreiengemeinschaft Artland im Bistum Osnabrück.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.
