Nuntius in der Ukraine: Gebet ist unsere beste Waffe

Der Apostolische Nuntius in der Ukraine, Erzbischof Visvaldas Kulbokas, vertraut trotz des anhaltenden Krieges weiterhin auf Gott und das Gebet. "Ich glaube weiterhin, dass das Gebet unsere beste Waffe ist", sagte Kulbokas am Donnerstag im Interview mit dem Portal "osv news". "Eine der Herausforderungen ukrainischer Katholiken ist, dass sie nicht verstanden werden. Ich erinnere unsere Bischöfe, Priester und alle Gläubigen daran, dass – auch wenn andere Katholiken in der Welt uns nicht verstehen – Gott derjenige ist, der uns versteht". Kulbokas glaubt, dass viele Menschen außerhalb der Ukraine die Situation im Land kaum verstünden, da sie selbst nie Erfahrungen mit dem Krieg gemacht hätten.
Viele Ukrainerinnen und Ukrainer fragten sich nach fünf Jahren Krieg, warum ihre Gebete nicht erhört würden. "Gott ist für uns immer ein Mysterium, und wir wissen nie, was seine Pläne sind", so der Nuntius. Dennoch glaube er, dass Aufgeben der falsche Weg sei. "Die militärische Aggression bringt die Herausforderung, dass es eine Reaktion in unseren Herzen auslösen kann: Unglaube, verlorene Hoffnung, Wut gegenüber Gott und unseren Brüdern und Schwestern." Das sei eine große Versuchung und würde eine geistige Niederlage bedeuten, so Kulbokas. Dem zu widerstehen und die Gebete fortzusetzen bedeute jedoch, dass das Böse besiegt werde. Im Gebet für den Frieden gehe es auch um Russland selbst. "Die Umkehr Russlands wäre ein Geschenk von Gott – Umkehr zu Gott, zum Frieden, zum Respekt für den Menschen."
Im Februar 2022 überfiel Russland die Ukraine. In den vergangenen Monaten nahm die Zahl an russischen Raketen- und Drohnenangriffen auf die Hauptstadt Kiew zu. Der gebürtige Litauer Kulbokas ist seit Juni 2021 der Apostolische Nuntius in der Ukraine. (ayo)