Standpunkt

Das päpstliche Weiß ist ein starker Kontrast zu dunklen Kriegsfarben

Veröffentlicht am 27.08.2026 um 00:01 Uhr – Von Schwester Gabriela Zinkl – Lesedauer: 

Bonn ‐ Während Europa auf Waffen und Sanktionen setzt, redet der Vatikan mit Moskau und pocht auf Verhandlungen zu einem Ende des Ukraine-Kriegs. Schwester Gabriela Zinkl schreibt: Naiv? Oder genau die Diplomatie, die fehlt?

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Es ist ein Treffen, das aufhorchen lässt: Der vatikanische Außenbeauftragte sitzt in Moskau mit Sergej Lawrow und anderen Beratern Putins am Tisch, während halb Europa nach Kiew reist, um Solidarität zu zeigen, und gegenüber Russland weiter auf Sanktionen und Waffen setzt. Passt das zusammen?

Erzbischof Gallagher jedenfalls ließ sich nicht beirren und fand in Moskau klare Worte: Der Kriege müsse enden, weil er sich militärisch ohnehin nicht lösen lasse. Beim ersten persönlichen Treffen hochrangiger Vertreter von Vatikan und Russland seit Kriegsbeginn beließ er es nicht bei diplomatischen Höflichkeiten. Er sprach die wachsende Zahl ziviler Opfer an, forderte ernsthafte Verhandlungen und mahnte zur Einhaltung des Völkerrechts. Auch die bedrängte Situation der katholischen Gemeinden in Russland brachte er zur Sprache. Lawrow wiederum sprach von weiteren Kontakten und zeigte sich offen für eine Fortsetzung des Dialogs. Ein Durchbruch ist das nicht, aber Frieden beginnt bekanntlich mit Graswurzelarbeit.  

Die Tatsache, dass Gallagher nach Moskau gereist ist, heißt nicht, der Heilige Stuhl schlage sich auf Russlands Seite. Gerade weil die Kirche keine Armee braucht und keine Wahlen gewinnen muss, kann sie es sich leisten, wozu andere längst zu erschöpft oder misstrauisch sind: zuhören, reden und nochmals reden.

Schon Papst Franziskus erntete für seine Diplomatie gegenüber Russland Spott, als er Putin nie beim Namen nannte und sogar von möglicher Mitverantwortung der NATO sprach. Kritiker warfen ihm Naivität vor, wie sie es heute bei Papst Leo XIV. tun. Dabei folgt die vatikanische Diplomatie einer alten Logik: Päpste verurteilen nicht, sondern werben um Umkehr und Verzeihung. Denn wer den Gegner bloßstellt, macht den Graben nur umso tiefer; wer dagegen im Gespräch bleibt, hält eine Tür offen.

Die Ukraine hat jedes Recht, sich zu verteidigen, das steht außer Frage. Doch Frieden entsteht nicht aus militärischer Stärke, sondern aus der Bereitschaft, einander wieder als Gesprächspartner anzuerkennen. Deshalb versucht der Heilige Stuhl, Türen offenzuhalten und dort zu sprechen, wo andere längst nicht mehr miteinander reden. Einmal mehr erweist sich das schlichte Weiß der Soutane des Papstes als starker Kontrast zu den dunklen Farben des Krieges.

Von Schwester Gabriela Zinkl

Die Autorin

Schwester Dr. Gabriela Zinkl SMCB ist Ordensschwester bei den Borromäerinnen, promovierte Theologin (Kirchenrecht) und in der Ordensleitung in Kloster Grafschaft tätig.