Erzbistum Vaduz gibt doch Priesterakten für Aufarbeitung heraus
Das Erzbistum Vaduz stellt nun doch Personalakten von Priestern für die Schweizer Aufarbeitungsstudie zur Verfügung. Voraussetzung für die Weitergabe der Akten an die Forschungsgruppe der Universität Zürich ist die Zustimmung der betroffenen Priester, wie das Erzbistum am Dienstag mitteilte. Sechs der sieben noch lebenden Priester, die 1997 vom Bistum Chur ins neu errichtete Erzbistum Vaduz wechselten, haben demnach die Zustimmung erteilt. Die betreffenden Aktenbestände würden nun in Kopie an das Bistum Chur übermittelt, damit sie gegebenenfalls in die Studie einfließen können.
Im November hatte die Erzdiözese festgestellt, dass die Rechtslage in Liechtenstein eine Weitergabe von Personalakten an ausländische Dritte nicht zulasse. Das Forschungsteam der Universität Zürich, das die Schweizer Aufarbeitungsstudie erarbeitet hat, hatte um Einsicht in die Akten der Priester gebeten, die vor der Errichtung des Erzbistums Vaduz zum Bistum Chur gehört hatten. Die Erzdiözese wurde 1997 aus den Liechtensteiner Teilen des Schweizer Bistums Chur gebildet.
Die Problematik der Liechtensteiner Akten wurden bereits im Bericht der Forschungsgruppe angesprochen. Demnach wurden die Akten des ehemaligen Dekanats Liechtenstein an das Liechtensteinische Landesarchiv übergeben. Die Aktenbestände des Bistums Chur mit Bezug zum Fürstentum Liechtenstein seien aus dem Churer Archiv nach Vaduz überführt worden. "Diese Situation stellt Forschende vor ein spezielles Quellenproblem: Für einen Grossteil des Untersuchungszeitraums (1950–1997) gehörten die Gebiete des Fürstentum Liechtensteins zum Bistum Chur. Allerdings wurde die Quellenlage nachträglich so verändert, dass eine Erforschung sexuellen Missbrauchs in dieser Region des Bistums bedeutend erschwert und teilweise geradezu unmöglich ist", heißt es dazu im Bericht. (fxn)
