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Pater Pio
Pietro von Ischetella, dem Provinzialmeister der Kapuziner, reichte es. Das bunte Treiben um diesen Ordensmann ging ihm eindeutig zu weit. Und diesen Ordensmann nannten alle Padre Pio (1887-1968). Der Sohn eines einfachen Bauern aus dem Süden Italiens war mit 16 Jahren den Kapuzinern beigetreten und 1910 zum Priester geweiht worden. Wegen Padre Pios schwacher Gesundheit hatten ihn seine Oberen in ein Kloster im ärmlichen Vorgebirge von Apulien gesandt. Immer wieder machte Padre Pio mystische Erfahrungen und soll 1918 erstmals die Wundmale Christi (Stigmata) empfangen haben. Kurz darauf setzte ein ungeahnter Kult um den Kapuziner ein: Internationale Zeitungen berichteten über ihn, täglich strömten Hunderte Gläubige ins Kloster und von Padre Pio berührte Gegenstände kursierten als Reliquien. Daraufhin untersagte der Provinzialmeister Laien den Zugang zum Kloster – doch die Verehrung riss nicht ab. In den 1920er überlegte der Vatikan mehrmals, den Kapuziner an einen anderen Ort zu senden. Padre Pio aber genoss Unterstützung in der faschistischen Bewegung und der Vatikan fürchtete die Reaktion der Bevölkerung. Stattdessen wurde Padre Pio mundtot gemacht: Er durfte weder Beichte hören noch öffentlich Messe feiern. Erst 1964 wurde er kirchlich voll rehabilitiert. Die Gläubigen verehrten den charismatischen Seelsorger für seine heilenden und prophetischen Fähigkeiten. Papst Johannes Paul II., selbst ein Bewunderer Padre Pios, sprach den Kapuziner 2002 heilig. Heute ist er der vielleicht beliebteste Heilige des Landes.
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