Jesuit Spadaro zieht positive Bilanz zum China-Abkommen des Vatikans
Acht Jahre nach dem Abschluss des chinesisch-vatikanischen Abkommens zieht der Jesuit Antonio Spadaro eine positive Zwischenbilanz. Religiöse Diplomatie halte "Kanäle offen, die durch die Politik verschlossen wurden", schreibt er mit Blick auf den Jahrestag der Unterzeichnung vom 22. September 2018 in einem am Mittwoch im kirchlichen Kölner Internetportal "domradio.de" veröffentlichten Gastbeitrag.
Der Untersekretär des Dikasteriums für Kultur und Bildung des Heiligen Stuhls erinnert daran, dass er das Abkommen bereits vor acht Jahren als "Zeichen der Hoffnung und des Friedens" bezeichnet habe – in einer Welt, "die weiterhin Mauern errichtet – insbesondere zwischen dem Westen und dem Osten". Spadaro ergänzt: "Seitdem sind diese Mauern höher geworden."
"Dienst an der Menschheit"
Wenn Polarisierung zu einer normalen Art des Umgangs mit der Welt werde, würden Vertrauensbildung, der Glaube an den Dialog und die fortgesetzte Umsetzung vorläufiger Abkommen zu einer knappen Ressource. Das gelte besonders dann, wenn solche Vereinbarungen mit der Hoffnung weitergeführt würden, sie verbessern zu können. "Wer diese Ressource bewahrt, leistet der Menschheit einen Dienst, der über die eigenen Interessen hinausgeht", so Spadaro.
Bei dem chinesisch-vatikanischen Abkommen gehe es im Kern "um das Wesen der Kirche selbst", schreibt Spadaro. Nämlich "um die Sicherung der gültigen apostolischen Sukzession und des sakramentalen Charakters der katholischen Kirche in China". Gemessen daran habe das Abkommen Bestand. Spadaro schreibt, inzwischen seien 18 chinesische Bischöfe in Gemeinschaft mit Rom geweiht worden. Allein in diesem Sommer seien vier neue hinzugekommen, drei davon nach 1980 geboren. So zeige sich die Stärke der Vereinbarung "in den Biografien junger Bischöfe ebenso wie in der Lebendigkeit der kirchlichen Gemeinschaften."
Provisorisches Abkommen
Das "Provisorische Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Volksrepublik China" regelt seit 2018 die Zusammenarbeit der Kommunistischen Partei und des Vatikans bei der Neubesetzung von Bischofsstühlen. Dabei wird zunächst ein Kandidat mit Zustimmung der Partei benannt. Wenn der Papst den Nominierten akzeptiert, wird er zum Bischof geweiht. Früher hatte es in Teilen Chinas ein Nebeneinander von parteikonformen Kirchenstrukturen auf der einen Seite und einer papsttreuen Untergrundkirche auf der anderen Seite gegeben. Diese Spaltung sollte durch das kooperative Ernennungsverfahren überwunden werden. Dennoch ist das Abkommen umstritten, weil es der Kommunistischen Partei großes Mitspracherecht in innerkirchlichen Entscheidungen zugesteht. (KNA)
