Acht Jahre Vatikan-China-Abkommen: Einheit um jeden Preis?
Vor acht Jahren, am 22. September 2018, unterzeichneten der Heilige Stuhl und die Volksrepublik China ein Abkommen über die Ernennung katholischer Bischöfe, dessen Wortlaut bis heute geheim ist. Doch woran bemisst sich der Erfolg kirchlicher Diplomatie? An der erreichten Einheit allein – oder auch daran, wie sie zustande kommt und wer sie trägt?
Die Vorgeschichte des Abkommens reicht weit zurück. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert war die katholische Mission in China eng mit den "ungleichen Verträgen" verflochten, durch die die Kolonialmächte die Souveränität des Reichs der Mitte entscheidend einschränkten, ihm die Öffnung für Missionare aufzwangen und die deshalb bis heute mit der Erinnerung an nationale Demütigung verbunden sind. Nach der Gründung der kommunistisch geführten Volksrepublik China 1949 wies der Staat ausländische Bischöfe und Missionare aus und unterstellte die katholische Kirche zunehmend seiner Kontrolle. 1957 schuf er dafür die Chinesische Katholische Patriotische Vereinigung, die das katholische Leben im Land organisieren soll. 1958 folgten die ersten Bischofsweihen ohne päpstliches Mandat.
Als religiöses Leben nach der Kulturrevolution Ende der 1970er-Jahre wieder zugelassen wurde, verlangte die Regierung eine Registrierung der einzelnen Gemeinden und damit verbunden ein Bekenntnis zur "Unabhängigkeit" der Kirche in China, also den Verzicht auf die Leitung durch den Papst. Nicht alle Gemeinden, Priester und Bischöfe waren dazu bereit. So entstand die Unterscheidung zwischen "offizieller" und "Untergrundkirche", die über Jahrzehnte darüber entschied, wer mit wem in sakramentaler Gemeinschaft stand. Es wäre allerdings zu einfach, eine romtreue Untergrundkirche einer romfernen offiziellen Kirche gegenüberzustellen: Auch viele Katholikinnen und Katholiken in den registrierten Gemeinden verstehen sich als Teil der Weltkirche. Zahlreiche ihrer Bischöfe baten seit den 1980er-Jahren, meist ohne öffentliche Bekanntgabe, um Anerkennung durch Rom und erhielten sie.
Frage nach der Bischofsernennung
An der Frage, wer Bischöfe bestimmt, setzte das Abkommen an. Der Bischof verbürgt die Einheit seiner Ortskirche mit der Weltkirche. Im September 2018 unterzeichneten beide Seiten das vorläufige Abkommen, dessen Text bis heute nicht veröffentlicht ist. Kurz zuvor hatte Papst Franziskus die letzten sieben ohne päpstlichen Auftrag geweihten Bischöfe in die volle Gemeinschaft aufgenommen. Der Heilige Stuhl begründete den Schritt ekklesiologisch und pastoral: Er solle die Verkündigung des Evangeliums fördern und die "volle und sichtbare Einheit der Kirche" wiederherstellen. Nach Verlängerungen 2020 und 2022 gilt das Abkommen seit 2024 bis Oktober 2028.
Gemessen an diesem Ziel gibt es reale Fortschritte. Bischofsernennungen erfolgen erstmals in einem geregelten Verfahren zwischen Peking und Rom, alle chinesischen Bischöfe stehen in Gemeinschaft mit dem Papst, und einige zuvor nur kirchlich anerkannte wurden auch staatlich zugelassen. Inzwischen gab es 18 Bischofsweihen im Rahmen des Abkommens, die jüngste im September unter Papst Leo XIV.
Doch hier muss zwischen zwei Ebenen unterschieden werden. Das Abkommen hat den Bruch der Gemeinschaft zwischen den chinesischen Bischöfen und Rom beendet. Nicht gelöst bleibt der zugrunde liegende Konflikt: die Frage, wie frei katholisches Leben gegenüber einem Staat sein kann, der Religion ideologisch auf seine Linie verpflichtet.
Äußerlich sehen viele Kirchen in China aus wie anderswo auf der Welt – doch die katholische Kirche muss sich vielen Regelungen der chinesischen Regierung unterwerfen.
Das Abkommen betrifft allein die Ernennung von Bischöfen. Es regelt weder die Stellung der Patriotischen Vereinigung noch die Religions- und Gewissensfreiheit chinesischer Katholikinnen und Katholiken. Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin erinnerte 2020 selbst daran und räumte ein, er sei sich der vielen ungelösten Probleme bewusst, könne ihnen aber nicht allen gleichzeitig begegnen. Schon wenige Monate nach der Unterzeichnung hatte der Heilige Stuhl die staatliche Anerkennung des "nicht-offiziellen" Klerus als offenes Problem benannt.
Priester und Bischöfe müssen sich zivil registrieren lassen. Nach den Pastoralen Richtlinien des Heiligen Stuhls von 2019 verlangt dies "nahezu ausnahmslos" die Anerkennung des Prinzips der "Unabhängigkeit, Autonomie und Selbstverwaltung der Kirche in China". Unabhängig heißt hier: unabhängig von Rom. Seit 2021 verlangt eine staatliche Verordnung zusätzlich, die Führung der Kommunistischen Partei zu unterstützen. Rom zeigte "Verständnis und Respekt" für jene, die nicht unterschreiben können, und warnte vor Druck auf nicht registrierte Gemeinschaften. Zugleich hielten die Richtlinien fest, die Erfahrung des Untergrunds falle "nicht in die Normalität des Lebens der Kirche". Dieselbe Verordnung regelt die Weihe katholischer Bischöfe ohne jede Erwähnung des Papstes: Approbiert wird durch die Chinesische Bischofskonferenz, die Rom nicht anerkennt.
Wie das in der Praxis aussieht, zeigt die Diözese Baoding, deren Bischof Su Zhimin 1997 von der Polizei festgenommen wurde und seither verschwunden ist. Der heutige Administrator An Shuxin war selbst bis 2006 inhaftiert und trat später der Patriotischen Vereinigung bei. Nachdem 2022 innerhalb weniger Monate zehn Untergrundpriester verschleppt worden waren, um sie zum Beitritt in die offizielle Kirche zu bewegen, schrieb An: "Hier hat Gott über die Staatsgewalt eine erzwungene Einheit unserer Diözese bewirkt." Ein Autor, der unter Pseudonym schreibt und vermutlich selbst zum Untergrund gehört, hielt dem entgegen, dass ausgerechnet die römischen Richtlinien nun als Druckmittel gegen jene eingesetzt würden, die sich aus Gewissensgründen nicht registrieren lassen können.
Ein Maßstab verschiebt sich
Wenn der Heilige Stuhl anerkennt, dass die Registrierung das Gewissen binden kann, verschiebt sich der Maßstab. Dann genügt es nicht zu zählen, wie viele Bischöfe in Gemeinschaft mit Rom stehen. Es zählt auch, unter welchen Bedingungen diese Gemeinschaft zustande kommt.
Der Arbeitsbericht der staatlich anerkannten katholischen Leitungsgremien, also der Patriotischen Vereinigung und der chinesischen Bischofskonferenz, spricht 2022 von der "Transformation des religiösen Personals aus dem Untergrund". Acht zuvor inoffizielle Bischöfe seien "transformiert" und offiziell installiert worden, philosophisch-theologische Seminare hätten entsprechende "Transformationskurse" durchgeführt. Auch die "Liturgie für die Transformation und Installation von Untergrundbischöfen" sei inzwischen standardisiert.
Ein Beispiel ist Bischof Vincent Guo Xijin von Mindong. Nach dem Abkommen trat er als Ortsbischof zurück und wurde Weihbischof, um dem zuvor ohne päpstliches Mandat geweihten und inzwischen legitimierten Bischof Zhan Silu Platz zu machen. Er fügte sich auf Bitten des Papstes. Wegen des anhaltenden Registrierungsdrucks auf seine Priester zog er 2019 seinen Antrag auf staatliche Anerkennung zurück und legte 2020 alle Ämter nieder. Sechs Jahre später wiederholte sich das Muster in Xinxiang. Dort wurde im Dezember 2025 Untergrundbischof Josef Zhang Weizhu emeritiert, einen Tag nach der Weihe seines Nachfolgers, zu der er nicht zugelassen war. Das vatikanische Presseamt begrüßte, dass die VR China Zhang nun als Bischof anerkenne, wenn auch als emeritierten. Nach Berichten von AsiaNews hat seine Familie kein Lebenszeichen von ihm.
Für die Gemeinden hängt viel davon ab, ob ihr Priester registriert ist.
Human Rights Watch berichtete 2026 von wachsendem Druck auf nicht registrierte Gemeinden, darunter Überwachung, Hausarrest und Fälle gewaltsamen Verschwindenlassens. Nach Einschätzung von Human Rights Watch hat das Abkommen diese Entwicklung sogar erleichtert. Seit Dezember 2025 müssen Geistliche zudem ihre Pässe bei den katholischen Leitungsgremien hinterlegen; Reisen bedürfen staatlicher Genehmigung.
Gerade mit Staaten, deren Politik die Kirche nicht teilt, muss sie sprechen können. Das stärkste Argument für das Abkommen ist ein kontrafaktisches: Ohne Vereinbarung wären weiter Bischöfe ohne päpstliches Mandat geweiht worden, bis sich zwei Hierarchien dauerhaft verfestigt hätten. Das wiegt schwer, aber es begründet die Unterzeichnung des Abkommens, nicht das, was unter ihm geschieht.
Jeroom Heyndrickx hat 2019 den Dialog einen Durchbruch genannt. Er warnte jedoch davor, dass eine Praxis äußerer Zustimmung bei innerem Widerspruch auf Dauer die Werte des Evangeliums und Prinzipien des Kirchenrechts gefährde. Die Alternative lautet deshalb nicht Dialog oder Konfrontation, sondern: Darf kirchliche Diplomatie vom Zeugnis der Kirche getrennt werden? Sie ist selbst kirchliches Handeln und steht deshalb unter demselben Maßstab wie Verkündigung und Dienst.
Zugriff hat sich verschärft
Zumal sich der staatliche Zugriff auf kirchliches Leben seit 2018 verschärft hat. Der Kirchenhistoriker Gianni Criveller beobachtete 2024, dass die Verlautbarungen der offiziellen Leitungsgremien immer stärker die Sprache der Partei übernehmen. Deren Fünfjahresplan zur "Sinisierung" des Katholizismus von Ende 2023 nennt Xi Jinping viermal, den Papst kein einziges Mal. Rom versteht Dialog als Annäherung, Peking ein Verfahren, das an der staatlichen Aufsicht nichts ändert.
Der Soziologe Richard Madsen hat die Methode kommunistischer Religionspolitik beschrieben, die China in den 1950er Jahren aus der Sowjetunion übernahm: Man proklamiert Glaubensfreiheit, entzieht den Kirchen Bildung und Wohlfahrt und beschränkt sie auf "rein liturgische Funktionen". In mehreren Provinzen dürfen Minderjährige die Kirche nicht betreten, und Amtsträger müssen sich schriftlich verpflichten, ihnen keine Katechese zu erteilen.
Die Volksrepublik übt immer wieder Druck auf Kirchen aus. So wurde etwa 2018 die evangelikale "Golden Lampstand Church" von den Behörden abgerissen - wegen angeblich fehlender Baugenehmigung.
Die katholische Tradition kennt mehrere aufeinander verwiesene Grundvollzüge der Kirche. Koinonia, die Gemeinschaft, ist der reale Erfolg des Abkommens. Doch eine durch autoritäre "Transformation" in Konformität gebrachte Gemeinschaft ist noch nicht die Einheit, von der die Kirche spricht. Auch die Leitourgia ist ausschließlich umgeformt in kontrollierbaren Räumen möglich.
Was bleibt, sind Martyria und Diakonia: das Zeugnis für das Evangelium, wo staatliche Ansprüche das Gewissen beanspruchen, und der Dienst an jenen, die politisch in Bedrängnis geraten. Eine Kirche, die sich auf formale Einheit und Gottesdienst zurückziehen ließe, wäre genau jene Kirche, die Madsen beschreibt: geduldet, weil sie ohne öffentliches Zeugnis niemanden mehr stört. Gesprächskanäle offenzuhalten bleibt wichtig. Doch eine Einheit, in der die Bedrängten nicht vorkommen, bleibt hinter dem zurück, was die Kirche verspricht.
Die Autorin
Chiara Fröhlich ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Systematische Theologie der TU Dresden. Sie hat Katholische Theologie und Sinologie studiert, unter anderem in Peking und Taipeh.
